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Von Motten.

Für Motten ist es dieser Tage Abende wirklich ein wenig zu kalt. In wärmeren Tagen suchen sie das Licht, den eigenen Untergang in Kauf nehmend und allen Widrigkeiten trotzend, als hinge ihr Leben davon ab. Die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens ignorieren sie, Kraft ihrer Natur, beharrlich. So wie Insekten nun mal sind, besonders die Beflügelten unter ihnen.

Politiker sind unter Menschen das, was Motten eben für Insekten sind. Sie würden die Öffentlichkeit, das Licht, selbst dann noch aufsuchen, wenn eben diese – ebenfalls äußerst beharrlich – für den eigenen Untergang sorgt. Ähnlich einer UV-Lichtfalle mit den ähnlich heimelig-kinsternden Sound-Effekten inmitten des heiligen Vernichtungsaktes. Christian „Bin-Mir-Für-Nichts-Zu-Schade“ Wulff hat dieses insektoide Verhalten über seine gesamte politische Karriere auf das vortrefflichste ausgefüllt. Am Freitag kam er der Lichtfalle zu nahe. Randnotiz hierbei: Das Weibchen, Frau Wulff, ist noch recht frisch und könnte noch anderen Motten für eventuelle Reproduktionen zur Verfügung stehen. Ein ausgebuffter Schachzug der Natur. Herr Wulff selbst ist aber geröstete Geschichte.

Heute durfte sich deshalb Alexander Kähler vor dem Kanzleramt in Berlin seinen Allerwertesten abfrieren. Überdies musste er sich allerlei sinnbefreite Fragen von Michael Kolz und seinem vertüddelten Insektologen gefallen lassen. Machte aber anstandslos mit und gab seinerseits auswendig gelernte Korrespondenten-Floskeln zum Besten. Ob aus Trotz oder aus Berufung, man wird es niemals erfahren.

Da Phoenix seine Korrespondenten herrlichst beleuchtet, dauerte es selbstredend nicht lange, bis die hiesige Politiker-Motten-Meute bei ihm in „Reih und Glied“ anstand, um wenigstens einmal, anlässlich der Gauckschen Kandidatur für das nun entmottete Bundespräsendialamt, kostenlos in die Kamera schielen zu dürfen. Sogar Phillip „Schnarchnase“ Rösler durfte, wenngleich harsch herbei gewuncken („Nun kommen Sie!“), zum Schluß auch noch seinen exklusiven Senf in den Äther blasen. Er war dabei glücklich. Irgendwie.

So sind sie, diese Motten.

Du da, Du Wulff im Schafspelz,

hast uns, über die Jahre, ganz schön ins Koma geschwallt. Nahmen wir doch bisher an, daß Deine trübsinnige, aber freundliche, lässig emotionslose, Kantenlosigkeit genetischen Ursprungs wäre. Und wir schlichtweg daran nichts ändern können. Mit Dir Schnarchnase also leben müssen. Da kommst Du uns, mit diesen 500.000 Euronen, die Du Dir zu einem unglaublich guten Kurs, mal eben so verschnabuliert hast, um die Ecke. Dein damaliges Amt, als ödester Ministerpräsident – nördlich und südlich der Alpen -, hat Dir dabei wohl nicht in den Weg gestanden.

Folgerichtig, Du kuscheliger Schmusebär, erkennst Du nicht, was den Leuten dabei so alles auf den Sack geht. Etwa das Du plump lügst, es irgendwie nicht zugeben willst, das Du immer nur das bestätigst, was gerade tagesaktuell herausgekommen ist, und nicht einfach auspackst. Alles aufdeckst. Dann doch lieber Sätze wie diesen hier, weltmännisch in die Mikrofone, räusperst:

„Die Bürger freuen sich darüber, wenn man sein Amt ausübt, wahrnimmt, ernst nimmt“ (Quelle: Zeit)

Die Bürger. Ja, die freuen sich. Die kriegen sich gar nicht mehr ein vor Freude, wie sehr Du dein Amt ausübst, wahrnimmst und – satiregleich – ernst nimmst. Auch gut und quasi völlig richtig:

„Man muss selber wissen, was man macht“ (Quelle: Focus)

Genau. Du maulwurfsäugiger Dauervergrämer: Du hast es gewusst. Hast es immer gewusst. Du spielst uns die Stubenfliege nur vor. In Wahrheit, lieber Präsident, bist Du – mit Verlaub – ein strunzgewöhnliches Arschloch. Mit ganz gewöhnlichem und durchtriebenen Hang zum eigenen, egozentrisch motivierten, Vorteil. Du kannst die Maske nun abnehmen. Trau dich.

Gedanken einer Fahrstuhlfahrt.

Dieser Autor gilt im Allgemeinen, als ausgeglichen und als unerschütterlich fröhlich. Stets im liebevollen Gedenken an seine Mitmenschen. Ein Prachtexemplar eines Gutmenschen. Zum knuddeln. Trotz alledem findet dieser Autor es unfassbar, beinahe skandalös, daß…

  • …es Menschen gibt, die nicht wissen das man auf Rolltreppen rechts steht und links geht!
  • …jemand wie Christian Wulff Reden halten kann, ohne ständig von schnarchenden Störern unterbrochen zu werden.
  • …im Supermarkt, an der Kasse „für schnelle Einkäufe“ ständig Menschen stehen, die „schnell“ komplett anders deuten können.
  • …Oliver Kahn immer noch „der Experte“ für die schrecklich gesteifte Fußballfrau beim ZDF ist.
  • …RTL offenbar nichts zu peinlich ist. Im Gegenteil.
  • …es im Pizzalieferantentum kaum noch Platz für einfachste Freundlichkeiten gibt.
  • …man sich auf das Äußerste empören kann, wenn irgendwo ein Teufelsbahnhof gebaut wird, es aber völlig entspannt hin nimmt, wenn dramatische Ungerechtigkeiten beschlossen werden.
  • …jemand laut schimpfend und fluchend das Weite sucht, nur weil der ÖPNV mit einer Verspätung aufwartet.

Ausserdem: Liebe Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin, wieviel Antipathie muss man sich eigentlich injizieren um Ihren Gestus fehlerfrei hinzubekommen? Naja, Schwämmlein drüber: Ihr Autor