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Prost, Aptamil-Forscher!

Ihr betreibt nun seit 30 Jahren Forschung rund um die leckere Muttermilch. Neuerdings behauptet Ihr in einem Eurer Fernseh-Spots „nach 30 Jahren Forschung“ endlich herausgefunden zu haben „das Muttermilch von Anfang an das beste“ für unsere Kinder sei. Mittlerweile klingt Ihr auch so, als wäret Ihr euch dabei ziemlich sicher.

Für dieses überraschende Forschungsergebnis möchte ich Euch herzlich danken. Kaum auszudenken was passieren würde, hielte man sich nicht an Euren Ratschlag. Ich persönlich würde ja die putzigen Neuankömmlige mit heißem Fett oder nahrhaftem Bier mesten. Oder Kinderschokolade. Das Kind auf der Verpackung sieht nämlich richtig proper aus. Das Zeug schadet bestimmt nicht. Und Kindermilch ist ja auch drin.

Vor lauter Dankbarkeit habe ich neue Forschungsaufgaben für Sie:

– „Hilft atmen Säuglinge beim Start ins Leben?“
– „Stinken Babyfürze?“
– „Müssen diese drolligen Neumenschen wirklich so dick sein?“
– „Ist das Konzept der Nabelschnur nicht längst überholt?“

Und, bitte berücksichtigen, weil super spannend: „Schadet Muttermilch Hirne erwachsener Forscher?“

In freudiger Erwartung der nächsten Forschungsergebnisse: Prost!

Endzeit in der TV-Unterhaltung!

RTL und Pro-Sieben-Sat-1-Medien-Dingsda haben wohl gemeinsam beschlossen, dass kreatives Fernsehen eher was für weinerliche Feiglinge ist und legen nun deshalb völlig enthemmt ihre, von der Schwerkraft peinlich beeindruckten, Testikel mit der aufdringlichen Attitüde geronter Lüstlinge auf den Tisch. Dabei können wir eigentlich froh sein, dass uns die Programmveranwortlichen ihr runzliges Gemächt, als Geste der Dominanz, nicht höchstpersönlich ins Gesicht klatschen.

Beide Sender belassen es dann wohl aus Kostengründen dabei irgendwelche Promis, deren Namen niemand kennt, zu präsentieren. Wahlweise lässt man die dann vom 10ner hopsen („Pool Champions“) oder nötigt sie in einer „Gameshow“ („Clash! Boom! Bang!“) zur peinlichen Herumtoberei. Natürlich dürfen dabei schlüpfige und allerschlüpfigste Zoten nicht fehlen. Bei der Masse der zur Schau gestellten Celebrities hat man außerdem das starke Gefühl, deren überstylte Grimasse dringend aus dem verunstalteten Gesicht prügeln zu müssen. Sozusagen als verspätete aber fragwürdige Erziehungsmaßnahme.

Dabei verschwindet die Grenze vom talentfreien herumgehampel der profimässig hirnentleerten Protagonisten und der nicht minder befremdlichen Moderation, die bestenfalls nicht weniger blöd anmutet und in der Regel oft einen weiteren Grund zur Fremdscham bietet, als wolle man unbedingt Scheiße mit Scheiße veredeln.

Das das nicht gut geht und schon gar nichts mit guter Unterhaltung zu tun hat dürfte jedem klar sein. Darum geht es offenbar auch nicht. Es geht wohl darum irgendwie, mit billigsten Mitteln, möglichst viel Sendezeit zu füllen. Und so stelle ich mir die Endzeit vor. Der radioaktive Fernsehmüll-Fallout fördert allerschlimmste Mutationen und am Ende bleiben nur noch stöhnende Zombies mit Solikontitten über, die debil vor sich hinkichern und jeder noch so niedrigen Lebensform das Hirn neiden.

Aber: Schwamm drüber. Wenn die Augen bluten, dann mal lieber die Flimmerkiste ausschalten. Ein paar Fragen hätte ich noch: Wer ist überhaupt diese Gina Lisa und diese Micaela Schäfer? Und warum?

Clash! Boom! Bang! (Foto: ProSieben)

(Foto: RTL)

$#!% Dich, Bambi!

Wenn sich die deutsche Medienlandschaft zum erzwungenen Galaabend trifft, dabei ein goldenes Reh mit dem Namen Bambi vor sich her trägt und dazu so dämlich grinst als sei man gerade erst Niedergekommen und habe deshalb diesen glänzenden interspezies Bastard im Arm, dann ist wieder BAMBI-Zeit in der ARD. Diese zum Kotzen putzige Romanfigur von Felix Salten hat nicht nur Walt Disney zum schnulzigsten Film der Geschichte verführt, sondern auch Karl Fritz bei der Namensgebung der, meiner Ansicht nacht, sinnlosesten Auszeichnung Deutschlands maßgeblich unterstützt.

Aus Neid nachahmen

Was wir deutschen gerne hätten, und anderen furchtbar neiden, ist: Prominenz. Während andere Nationen auf Hollywood, BBC-Stars oder wenigstens Bollywood zurückgreifen können, müssen wir uns mit dem provinziellen Tatort, der lahmen und ranzigen Wanderhure und den Proletenbullen Toto & Harry zufrieden geben. Dabei gehen wir hyperinflationär mit dem Prädikat „Promi“ um. Promi-Diner, Promi-Kochen, Promi-News, Promi hier, Promi da. Als sei alles das, was nur oft genug sein Bratpfannengesicht in die Kamera gehalten bekommt, auch gleichzeitig prominent, erheben wir tüddelige Provinznasen, mit dem IQ eines Softeises, in den prominenten Adelsstand.

So sehen dann leider auch die, künstlerisch bestimmt sensationell wertvollen, Film- und Fernseh-Produktionen in Deutschland aus: Sie sind scheiße. Öde. Langweilig. Oft sind sie belehrend. Erheben den mahnenden Zeigefinger. Sie sind politisch. Mit Herz, aber leider ohne Tom Hanks und Julia Roberts. Und was sind sie nie: Gut. Echte knaller. Episch. Und wenn der deutsche Film aus Versehen amerikanischen Actionvorgaben nacheifert, dass auch noch fast gut macht, dann spielt ausgerechnet Til Schweiger die Hauptrolle und tötet mit seiner nervigen Stimme jede Illusion.

Wir können es nicht

Die Wahrheit ist: Wir können es nicht. Unsere schrumpfende Gesellschaft bring einfach nicht genug gute Leute hervor. Erzeugt nicht genug gute Ideen. Und unsere berühmte panikhafte Angst vor schnellen Entscheidungen und wagemutigen Ideen, kurz: unser unternehmerischer Pessimismus hemmt jegliche Kreativität und erstickt den Mut etwas Neues einfach mal zu versuchen. Egal was andere sagen. Handeln aus Instinkt; mit dem bewußt akzeptierten Risiko gelegentlich kräftig daneben zu liegen.

So sehen dann auch unsere Preisverleihungen aus. Der Bambi wird von Celine Dion anmoderiert, weil niemand einen Lanz oder einen Pflaume zu früh auf der Bühne sehen will. Außerdem erhält das kanadische Halswunder den dritten Bambi ihrer Karriere, dafür kann Sie schließlich mal was tun. Die ganze Veranstaltung gleicht einer Betriebsfeier einer nicht geraden erfolgreichen Firma. Müde, kaum witzige, Moderationen, teilweise üble Filme von welchen man zurecht niemals hörte, ein langatmiges Programm und nicht einen Funken Gespür dafür, was eigentlich Unterhaltung sein sollte.

Lediglich 2,61 Millionen von uns haben zugesehen. Der eine weil er es wollte, und sich nun dafür zu unrecht bestraft fühlt, der andere weil er ahnte, dass diese Gala eine vortreffliche Gelegenheit bietet einen kurzen Gedanken über das prinzipielle Unterhaltungsdefizit der deutschen Medien zu nieder zu schreiben.

Es täte gut, wenn die Fernseh- und Filmemacher nicht jede Gelegenheit nutzen würden um sich selbst zu feiern, sondern einfach ihr Gewerbe nachgingen. Es wäre schön, wenn solche Preisverleihungen den Zuschauer Unterhalten würden, anstatt ihn zu Tode zu langweilen, oder uns alle ständig mit dem Ungück dieser Welt zu belästigen. Unpassende Betroffenheit zu heucheln und gleiches penetrant einzufordern. Für diese knapp drei, sinnlos vergeudeten, Stunden meines Lebens ein sattes und ehrlich gemeintes:

Fick Dich, Bambi!

‚Ne Kippe?

„Nein danke!“, antwortet der selbstbewusste Nichtraucher. Und obwohl Frank Wisbar bereits 1959 völlig nachvollziehbar fragte „Hunde wollt Ihr ewig leben?“, hat der Gesetzgeber recht damit, wenn er die TV-Werbung in Sachen „Zigarettenkonsum“ deutschgerecht verbietet und diesen elenden wie unbelehrbaren Suchtnasen, die sich nicht von Warnhinweisen und Ermahnungen zur Vernunft bringen lassen, zur Strafe das Geld aus den vergilbten Fingern friemelt. Quid pro quo.

Der Gesetzgeber ist aber noch schlauer und – unter uns gesagt – beneidenswert weise: Er hat nämlich, im Kino, die Zigarettenwerbung verfolgt und sah die erschreckende Zukunftsvision der zugequalmten Tabakindustrie: Lustvolle, aber leider grenzdebile, Hobbyqualmer mit ungenierter Swingerattitüde horten tausende Zigarettenpackungen im Schrank und schrauben sich gemütlich und ohne einen Grund dafür zu wissen, mit 10 bis 20 tüddeligen Freunden in geselliger Runde, Packungsweise Qualitätsglimmstengel in die Lunge, dass es bereits beim passiven Zugucken Lungenkrebs geben muss. Gruselig.

Bin mal kurz vor der Tür….