Getagged: Tod

SPAM!

Dieses Blog bekommt ständig automatisierte Kommentare, nur mit dem Ziel, das die darin enthaltenen Worte und Links möglichst umfänglich verteilt werden. Oft sind diese Kommentare von einer derartigen abgrundtiefen Ödnis und grundgütiger Sinnlosigkeit geprägt, das das bloße Erwähnen dieser stümperhaft zusammengeschobenen Satzkonstrukte ein wenig zuviel der Ehre wäre. Dennoch. Neulich war dieser Teilsatz, der in der weiteren Folge leider überhaupt keinen Sinn ergab, zu finden:

„Kranke in den Tod zu sprengen[…]“

Was ich natürlich für eine sensationelle Idee halte um das Gesundheitswesen, und selbstredend auch die leidgeprüfte Rüstungsindustrie, wieder auf Vordermann zu bringen. Lediglich um die Hygiene mache ich mir ein wenig sorgen, sind doch die meisten Krankheiten in Infektionen mit irgendetwas fies-ansteckendes begründet. Wenn sich das auch noch explosionsartig verteilt…kaum auszudenken…

*hüstel*

Die Hex‘ ist tot!

Schluß. Aus. Vorbei. Ein ekelhafter Tyrann ist tot. Und viele seiner Sippe sind ihm gefolgt. Das ist gut.

Irgendwie darf das aber niemand wirklich so sagen. Haben wir uns doch schon bei Bin Laden belehren lassen müssen, das Rechtsstaatlichkeit ja für alle gelte, auf dem gesamten Globus, ob er wolle oder nicht, ob er das Leben selbst schätzt oder nicht. Kaum flirrten die verwackelten Smartphoneaufnahmen durch die tv-mediale Landschaft, kamen die zu Wort, die eben diese Werte anmahnen, für jeden, auch für so einen wie Gaddafi. Und mir wird unwohl.

Denn: Ist denn Gaddafis Ende nicht das Recht der Unterdrückten? Ist das Einfordern von rechtsstaatlichen Mitteln nicht zynisch, wenn es ausgerechnet um des Tyrannen Kopf geht? Ist der deutsche Pazifismus, so sympathisch er auch klingen mag, nicht pure Heuchelei, da die, die ihn offenherzig vertreten und fordern, unter eine über 60 Jahre andauernde Friedenskäseglocke hausen und schlichtweg vergessen haben, das jemand mit einer argumentationsfreudigen AK47 (oder ein Produkt von Heckler & Koch) einer freien Diskussion nicht unbedingt freudig gegenüber steht, und lieber sein Gerät für sich sprechen lässt? Haben wir – Gottseidank – vergessen, wie sich Willkür, Brutalität, Tod und Tyrannei auswirken?

Ja. Ja. Ja und Ja.

Während wir um 20:00 Uhr pausieren und uns ein Schnittchen von der Herzallerliebsten, mit Käse und Gürckchen, zur „Tagesschau“ reichen lassen, oder schlimmstenfalls das Brot selbst zubereiten müssen, da die Herzallerliebste nichts davon hält uns zu bedienen, läuft in der Welt, von der wir uns da berichten lassen, ein anderer Film, eine andere Wirklichkeit. Eine Welt, in der das Leben eines Einzelnen unter Umständen nichts zählt. Eine Welt die uns nicht kennt, und die wir oftmals für Fiktion halten können, da unsere Wirklichkeit, mit den vielen Regeln und geordneten Prozeduren, mit dieser nichts gemein hat. Gar nichts.

Da ist es auch nur eine Randnotiz, wenn Haiti weiter untergeht. Wenn der „arabische Frühling“ nur für uns existiert, für die Nordafrikaner aber immer noch ein Kampf ist, dort Menschen immer noch sterben. Dort die Ungerechtigkeit immer noch permanent real und lebensbedrohlich ist. Wenn in Somalia Kenia einrückt. Wenn die Türkische Armee im Nordirak operiert. Der fürchterliche Assad Schießbefehle gegen friedliche Demonstranten gibt. Wenn China wiedermal Bürgerrechtler einsperrt. Wenn ein vermeintlich unschuldiger staatlich verordnet sterben muss.

Wir haben keine Chance. Da kommen wir nicht mit. Wir können hier nichts tun. Insbesondere nicht vom Sessel aus. Und wer von uns ist schon geschult, beispielsweise im Guerillakampf? Deshalb ist die permanente Forderung, das die Welt doch endlich unsere Werte, inklusive eines weitestgehend säkularen Staates mit Gewaltentrennung und sowas wie Demokratie, und einer Verfassung die den Einzelnen vor willkürlichen Übergriffen des Staates schützt, ein geübter Reflex. Ein Ersatz. Eine Übersrpungshandlung, vielleicht sogar auch ein Wunsch. Eventuell auch eine Verzweiflungstat. Da bin ich mir aber nicht sicher. Eines ist sie auf keinen Fall:

Eine Lösung.

SensenMan – Die lustigsten letzten Stündlein

SensenMan - Die Lustigsten Letzten Stündlein

SensenMan - Die Lustigsten Letzten Stündlein

Es gibt im Wesentlichen zwei Situationen, die man nur sehr, sehr schwer ohne tief schwarzen Humor heiter übersteht. Auf der einen Seite steht alles, was auch nur ansatzweise mit dem schnöden Toilettengang, inklusive aller Begleitgeräusche, in Verbindung gebracht werden kann, auf der anderen Seite steht der – an sich total witzlose – Tod. Beide Momente sind tief miteinander verbunden. So gab es nicht wenige Partnerschaften, in welchen die Teilnehmer nach der ultimativen Erfahrung der gemeinsamen Nutzung des Aborts, fortan den getrennten Weg bevorzugten, und – glaubt man der katholischen Lehre – hört jede zwischenmenschliche Romantik abrupt mit dem Exitus des anderen auf. Andererseits gibt es, gesellschaftlich wenig akzeptierte, partnerschaftliche Unternehmungen die den offenherzigen Tod, oder aber den enthemmten Toilettengang, prinzipiell voraussetzen. Eventuell sogar beides. Gleichzeitig. Manchmal sogar, ist das letzte menschliche Tönchen seinerseits stark verwandt mit dem, was man allgemein hin als gemeinen Furz beschreiben würde.

Rudi Hurzlmeier, dessen Name allein beim Nicht-Bajuwaren für ein mehr oder weniger dämliches Mundwinkelzucken sorgt, hat sich zum Thema „Tod“ mit einer Comic-Sammlung zu Wort gemeldet. Da alleine zeichnen wohl schrecklich umständlich ist, bat er gestandene Kollegen (wie z.B. Rürup, Kittihawk, TOM, BECK, POLO, Rattelschneck) um ihre Mitarbeit. Herausgekommen ist ein kurzweiliges und kleinformatiges Werk von knapp 124 Seiten. Jede Seite beschäftigt sich dabei mit dem alten SensenMan (sprich: „SensenMän“), der – glaubt man den Comics – ein echt netter Kerl, mit dem greifbaren Hang zum schwarzen Humor, ist. Hier und da ist er auch selbst das Ziel einer Verulkung. Was ihn ja nur sympathischer machen kann.

Wie es bei Comic-Sammlungen so üblich ist, blättert man ja eher hin und her durch das Buch, als es von Anfang bis Ende durchzulesen. Es ist ein netter Zeitvertreib, eine leckere Zwischenmahlzeit, die man sich mal eben so gönnen kann. Schlußendlich kommt hier wieder etwas zusammen, was wohl durch eine universale Kette verbunden ist: Das Buch empfiehlt sich auf das vortrefflichste als unterhaltsame Klolektüre, die man sich selbst, und auch seinen Gästen, gerne gönnt. So liegt bei mir ab sofort griffbereit – auf einen Stapel Asterix-Hefte – diese kleine, aber feine, Comic-Sammlung.

Das Büchlein ist im Lappan-Verlag erschienen und kostet wohlangelegte 9,95 Euro (Shop).

 

www.bloggdeinbuch.de