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Ihr da, von der FDP,

seid ja ohne meine schnöseligen Kommentare schon genug gestraft. Aber ich wäre nicht ich, wenn mir dieser Umstand nicht, salopp gesagt, scheiß egal wäre. Denn ebenso kloakenmässig egal ist Euch anscheinend auch das, was so ein Landei wie ich, als Arbeit zu definieren wagt. Zwar findet Ihr das sich „Arbeit lohnen“ soll, doch was „Arbeit“ wirklich für Euch ist, wird erst richtig klar, wenn man sieht, welchen und wievielen Plagiatoren Eurer Partei der honorige Doktortitel aberkannt wurde:

Da hätten wir Silvana, die sich dafür nicht schämte, und als Kurzschlußreaktion gleich dem Forschungsausschuß des Europaparlaments beitreten wollte, den Herrn Chatzimarkakis, der ebenfalls putzig überrascht war und daraufhin eben diesen Forschungsausschuß verlassen musste, und nun wurde Bijan Djir-Sarai, der mit dem drögen Forschungsausschuß richtigerweise nie was am Hut hatte und viel lieber in irgendwelchen „auswärtigen Ausschüssen“ des Bundestages sein Unwesen treibt, beim schuftigen Abschreiben erwischt.

Ihr könnt mir glauben, meine gelben Freunde, ich bin granatenmässig gespannt, wie sehr sich Eure Arbeit gelohnt hat, wenn wir uns nach der Landtagswahl im Mai wiedersehen.

Misanthropie? Gerne!

Man kann gegen alles und jeden sein. Bin ich auch. Es ist deshalb auch schwer, mir nicht unglaublich auf den Keks zu gehen. Dazu reichen oft schon die ersten Sekunden einer Begegnung. Dabei ist es mir egal in welcher Gestalt man mir gegenüber tritt. Ob hübsch oder hässlich. Schwarz oder Weiß. Dünn oder dick. Alle gleich doof. In der Regel entspannt sich das wieder, und alles ist halb so schlimm, hier aber fünf No-Go-Situationen:

Situation 1: Das handlungsarme Ansprechen in der Kassenschlange.

Es gibt Menschen, die können einfach nicht die Klappe halten. Empfinden das Schweigen, also eine – wegen mir – temporäre verbale Enthaltsamkeit, als Qual und quatschen lieber den, mit einem Kopfhörer verkabelten, vertüddelten Mann an, der so aussieht, als läge sein heutiger erster Kaffee noch in weiter Ferne. Besonders schlimm wirds, wenn jene Situation mit der folgenden kollidiert.

Situation 2: Austausch von rassistisch motivierten Ressentiments.

Oft fangen derartige zweifelhafte Begegnungen mit der Einleitung „aber gegen Ausländer darf man heutzutage ja nichts mehr sagen“ an. Da ich oft den Fehler mache, mich für puren Unsinn zu begeistern, frage ich natürlich zurück: „Oh…was möchten Sie denn gegen Ausländer sagen?“. Nie bekomme ich eine Antwort. Mittlerweile denke ich, das oben beschriebe Aussage eher ein Platzhalter ist. Man könne sich ja vorstellen, was nun folgen könnte, täte man sich zu einer Einlassung herab. Insofern ist die Beantwortung meiner Frage niemals wirklich sinnvoll. Selbst die Frage an sich nicht.

Situation 3: Der Tanzbereich.

Ehrlich: Nichts gegen Körperkontakt. Ich habe nur eine seltsame Marotte: Ich möchte selbst entscheiden, wer mich anfasst, mit wem ich Körperkontakt aufnehmen möchte, und werde bei dieser Entscheidung nur äußerst ungern übergangen. Dabei hilft es auch nicht, wenn der Gegenpart sich besonders hübsch fühlt. Herumgetatsche kann so schnell zum Herumgeschupse ausarten.

Situation 4: Die gedankenlose Herde.

Oft fassungslos erlebt: Der Bus fährt die Haltestelle an, ich würde gerne aussteigen, aber ein dutzend anderer, geistig offenbar nicht zurechnungsfähige, Vollpfosten wollen rein und stellen sich vor die Bustür. Klar ein purer Interessenkonflikt. Oft ensteht so eine erbärmliche Patt-Sitatuion, aus der ich selten – ohne Situation 3 zu provozieren – herauskomme. Auch wird die Frage „Und? Wie lösen wir jetzt das Problem?“, seltenst mit einer kompetenten Antwort gewürdigt. Eher grunzt die Menge zurück und eine schmale Gasse tut sich spürbar widerwillig auf. Manchmal. An guten Tagen.

Situation 5: Politik & Arbeit.

Arbeitskollegen sind Menschen, die in eine schlimmere Kategorie fallen, als die eigenen Verwandten. Letztere kann man ignorieren, wenn man sie kaum ertragen kann. Mit den lieben Kollegen aber, die ich mir ebensowenig aussuchen kann, muss ich irgendwie umgehen. Ob ich will oder nicht. Mobbing hilft da auch nicht. Jedenfalls kurzfristig nicht. Irgendwann fängt der eine oder andere das Quatschen an. Manchmal geht es um Politik, und manchmal hat sich der eine oder andere nicht im Griff:

Er: „Was heute fehlt, ist das einer mal richtig durchgreift.“
Ich: „Wie? Äh..warum?“
Er: „Naja..heutzutage kommen die Politiker doch zu keiner Entscheidung, da muss man einfach mal durchgreifen, und einfach mal was machen, nicht immer diese blöden Diskussionen, doofe Demokratie!“
Ich: „Gabs doch schon. War scheiße!“
Er: „Wieso?“
Ich: „Adolf! Walter! Erich!“
Er: „Was?“
Ich: „Ich meine, der Addi. Der hat auch durchgegriffen, anstatt zu diskutieren!“
Er: „Ja nicht so!“
Ich: „Wie denn?“
Er: „Naja…die sind halt alle gescheitert!“
Ich: „Und DAS findest Du daran doof?“
Er: „Im Prinzip schon.“
Ich: „…“

Liebe Ausbeuter,

eigentlich habt Ihr ja alles richtig gemacht. Ihr werdet reicher und reicher. Dabei nutzt Ihr wahlweise die Dummheit oder die Not der Menschen aus, die mit Euch irgendwie ins Geschäft kommen wollen, bzw. müssen. Letzteres ist für Eure Opfer recht fies, da der eine oder andere dieser Gesellschaft kein Doktor der Raketenwissenschaft ist und daher dazu neigt auch den fiesesten Job anzunehmen. Ihr hingegen, als das Geschmeiß unserer sozialen Marktwirtschaft, lebt auf das vorzüglichste hinter dem abstrakten Gebilde Eures Konzerns. Dabei seit Ihr es, die Menschen, die bewußt andere Menschen ausbeuten. Ganz skrupellos. Ohne jede erkennbare Scheu.

Nehmen wir Euch zum Beispiel, liebe Edeka-Bosse. Ihr erwirtschaftet overall circa 43 Millarden Euro per Anno bei 300.000 Beschäftigten. Fette Beute. Respekt. Aber irgendwie scheint Euch das nicht zu reichen, irgendwie ist Eure Gier nach Profitmaximierung noch nicht befriedigt. Und wo, meine lieben Ekelpakete, könnte man besser Gelder einsparen, wenn nicht am Mitarbeiter selbst? Klaro. Dabei nutzt Ihr ein einfaches wie liederliches Konzept, angewandt innerhalb Eurer Tochterfirma „Netto“: Terror ersetzt den Wunsch nach hohen Löhnen. Denn wer mehr damit beschäftigt ist, den konzerninternen Angriffen aus den Weg zu gehen, der geht auch nicht selbstbewußt zum Chef und fordert bessere Bedingungen für sich ein. Das weiß auch Euer 60 Milliarden schwerer Konkurrent Lidl/Kaufhof. Der offenbar ebensowenig zuckt, wenn es um die Durchsetzung des oben genannten Prinzips geht. Wachstum, Ihr Nasen, ist anscheinend wertvoller, als die die ihn überhaupt erst generieren. Die Menschen. Eure Mitarbeiter.

Ihr hört ja nicht auf. Euch ist keine Branche zu schade. Repressalien, im großem Stil, gegenüber den eigenen Mitarbeitern ist weiter verbreitet, als man allgemein hin so denken möchte: Schlecker, Warwick und AWD sind nur einige Beispiele. Teilweise gibt es sogar Vereine, in welchen sich betroffene und ehemalige Mitarbeiter organisieren.

Sowohl bei „Warwick“, wie auch beim AWD, ist auffällig, wie nahe die Chefs der Konzerne an der Elite unserer Politikerkaste sind. Eventuell sind es auch nur unsere Politiker die nicht tief genug in das Wesen der Wirtschaft eintauchen können und so wirken als seien sie allesamt Prostituierte die, egal wie ekelhaft der Freier auch ist, mittlerweile ohne jede Scham und mit einer gewissen Geilheit ihren Job nachgehen. Diese fragwürdige Entwicklung der Politik ist nicht neu, allerdings schreitet sie immer schneller voran. Vom Staatsdiener bis zur lüsternen alten, mit Treponema pallidum verseuchten, Hure. Wohin soll uns das noch führen?

So pervertiert ist unsere Gesellschaft mittlerweile. Beispielsweise: Banken zocken mit extrem hohem Risiko, und die Kassiererin die bei Netto arbeitet, und dafür gedemütigt und ausgenutzt wird, muss dann für die Verluste geradestehen. Wir nehmen das hin. Was sollen wir auch tun? Kein Girokonto mehr führen? Absurd! Keinen Discounter mehr aufsuchen? Für viele schlichtweg nicht machbar! Nicht mehr wählen gehen? Keine Option!

Ihr, liebe Ausbeuter, habt uns im Griff. Ihr habt in den letzten 65 Jahren dieser Republik mit einer gewissen Cleverness neue Standards geschaffen, die moralische und ethische Bedenken weit hinter sich lassen. Wir Ausgebeuteten können nicht viel tun. Aber wir merken uns das eine oder andere, und eventuell manifestiert sich das in der einen oder anderen Kaufentscheidung. Nicht viel, aber dafür:

Versprochen.

Du, verehrter Guido Westerwelle,

bist ja einer schlechten Rede niemals abgeneigt. So vergleichst Du Dich in der „Bild am Sonntag“ mit einem Matrosen, der das „Deck“ auch nicht „bei Sturm“ verlässt. Hoffen wir, daß Du das Schiff auch nicht umlenkst, wenn Du den titanischen Eisberg siehst. Und beten wir, das Du auch nicht ahnst wo der Rettungsring versteckt ist, wenn Du rat- und sinnlos im liberal sinnbefreiten Meer unterzugehen drohst. Vorher aber, gönnst Du der ganzen deutschen Republik noch „eine starke FDP“, verlierst Dich dann aber folgerichtig in selbstherrlichem Wisch-Wasch, irgendwo zwischen „Kritik, die ich verstehe“ und „Solidarität“, über die Du dich natürlich wie Bolle freust. Besonders in diesen Tagen, wo schon das eigene „Team“ den deckschrubbenden Matrosen kielholen möchte. Schön ist auch, daß du „als Außenminister“ jetzt endlich in der ganzen Welt „dynamische Regionen“ ausmachst, und beharrlich verlangst das „junge Deutsche einsteigen“ und „nicht aussteigen“. Schließlich tun das ja auch „Brasilianer, Inder und Chinesen“. Und die sind, behauptest Du keck, „nicht dümmer oder fauler als junge Deutsche“. Du spitzfindiger Allesmerker.

Ein Blick auf Deine Internetseite, deren Startseite du angelsächsisch „Home“ nennst, verrät, daß Du selbst im Internet mit Inhalten nicht gerade großzügig umgehst. Auch ein Interessierter Leser erfährt dort nichts sinntragendes: ein bisschen Larifari hier und wenig liberale Selbstinszenierung, welche Dir keiner übel nimmt, dort und schon ist man durch. Ein paar Videos kann man sich dort – zur Strafe – auch noch angucken. Quasi als Selbstkasteiung für Guido-Fans, oder jene die es noch werden wollen.

Dieser Blogautor wünscht Dir, und Deinen Lieben, ein schönes Weihnachtsfest, und eine, Deiner Qualifikation entsprechende, angemessenere Berufswahl für 2011. Letzteres versteht sich mehr als naive Hoffnung. Fragt sich auch, ob Du nur deshalb desorientiert auf den Deck stehst, weil Du nicht mehr weißt wo die Brücke ist: Dieser Autor.