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Aua. NRW schlägt zurück.

Politiker können viel. Sie können Wahlen grandios gewinnen, sie können Wahlen gründlich verlieren und sie können miesepetrig zurücktreten. Im Handeln des allerletzten Politreflexes, dem Rücktritt also, unterscheiden sich alle. Es geht vom Lafontain’esken „‚Tschüß, Ihr Idioten“, über das stoische Schröder’sche „Nö, Ich geh‘ nicht“, bis hin zu jenen tragischen Menschen, die man entweder leblos in vollgelaufene Badewannen findet oder welche, die so tattrig-greis geworden sind, dass ein Verbleiben im Amt kaum noch denkbar wäre. Auch aus ästhetischen Gründen.

Alle diese Granaten der Politik haben mit ihrem Rücktritt noch einen großen, letzten Auftritt, den Sie dazu nutzen können, mit einer kurzen – aber rhetorisch glorreichen wie menschlich faszinierenden – Rede Ihren Abschied zu untermauern und um sich final in das kollektive Bewußtsein der Gesellschaft zu nörgeln.

Nobby ‚Schlafmütze‘ Röttgen hätte in der Politik richtig weit kommen können. Wenn, ja wenn, er nicht eine so entsetzliche Trantüte wäre. So furchtbar farblos, und so unbegreiflich naiv und ungelenk im Umgang mit den Medien. Richtig doof ist, dass er zudem beim Wähler so sympathisch wirkt, wie einem die Nachricht, man hätte unheilbaren Krebs, fröhlich stimmt. Er kann also nur verlieren, auch mit seiner coolen „Harry Potter“-Brille. Die hilft leider auch nicht mehr. Hier seine grandiosen letzten Worte:

„Dieser Wahltag heute, ist für die CDU-NRW, für mich persönlich […] ein bitterer Tag. Es ist eine eindeutige, klare Niederlage, die wir heute erlitten haben. Sie ist nirgendwo zu beschönigen. Sondern die Niederlage der CDU, und von mir, ist eindeutig. Sie ist umfassend. Sie ist klar. Das möchte ich auch, in dieser Klarheit hier, aussprechen. Äh..und äh…auch keine Relativierung vornehmen, sonder äh…die Niederlage ist bitter, sie ist klar, und sie tut richtig weh. Uns allen gemeinsam. Mir selbstverständlich auch.“
(Video)

Applaus, liebe ÖPNV-Angestellte!

„Genug gespart!“, schreit Ihr heutzutage lauthals vor dem Betriebshof dieser schönen Stadt und lacht Euch kringelig, das andere ohne Euch nur schwierig das schnöde Geld verdienen, welches Euch, Eurer Meinung nach, ebenfalls zustünde, wenn die Welt nur gerecht wäre. Recht habt Ihr. Auch ich trete für meinen Anspruch auf ein vernünftiges Gehalt ein. Besonders vehement vertrete ich dieses Recht während der Einstellunsverhandlung. Aber Ihr, die ihren Beruf so hoch professionell, stets freundlich und voller philanthropischer Güte ausübt, zeigt mir, daß es auch anders gehen kann.

Was man braucht, sind Geiseln. Seelenlose – beinahe menschenähnliche – Genossen, welche im Alltag von Euch, wahrscheinlich in vorauseilender Vorfreude der gerade stattfindenden Aktion, bestenfalls unfreundlich, schlimmstenfalls auf das Garstigste behandelt werden. Aus Eurer Sicht stört das Pack nur, welches sonst von Euch gnädigerweise herumgefahren wird, und hat diese neuerliche Geiselnahme schlußendlich verdient. Außerdem geht es ja um Eure Brieftasche, und da können andere ja schon einmal ein Opfer bringen. Wäre ja noch schöner, wenn sich jeder selbst um sein Wohl und Weh kümmern würde. Pff. Das kann der Rest der Welt gerne machen. Ohne Euch.

Nun. Ich – kurz vorm Stockholm-Syndrom stehender – dankbarer Fahrgast gönne Euch alles Gute und freue mich, ab morgen wieder von Euch in gewohnter Manier angepöbelt oder missachtet zu werden. Ach ja, wenn ich, wie vorgestern, auf Euch zusprinte, in der Absicht den Bus noch zu erreichen, lächelt mir einfach wieder zu. Winkt sogar noch. Fahrt dann aber einfach an mir vorbei.

Das war lustig.

Liebe saekulare Gesellschaft,

hast Du sie noch alle? Ist Dir das Fett aus Deinem Wohlstandsarsch jetzt endgültig, als Ersatz fürs Hirn, in den Kopf gestiegen? Warum dieser Autor etwas angesäuert ist? Gut das Du fragst:

Du bist doch glatt in der Lage bei jeder unpassenden Gelegenheit hochmütig mit dem wurstigen Finger auf den Teil der Welt zu zeigen, in welchen insbesondere der Islam, einen starken bis übermächtigen, weil gesetzgebenden, Einfluß auf die dortige Gesellschaft und deren Individuen hat. Auch zeigst Du gerne auf andere Länder, die immer Kritik verdient haben, weil Sie mächtig sind, wie die Vereinigten Staaten von Amerika. (Die USA, im übrigen, haben eine recht tiefgehende Tradition was die Trennung von Kirche und Staat angeht. Anders als Good-Old-Germany.).

Bei all Deiner arroganten Kritik verdrängst Du pathologisch, das Du selbst stetig gegen säkulare Prinzipien verstößt. Dabei möchte sich dieser Autor jetzt nicht an Kruzifixe in deutschen Schulen abarbeiten, oder ausgiebigst darüber schwadronieren, wie säkular eigentlich das staatliche Eintreiben von Kirchensteuern ist, noch möchte er die bloße Existenz christlicher Feiertage als Untergang des Abendlandes feiern. Aber dennoch, gestatte die Frage: Was soll das alles? Nehmen wir, beispielsweise, das Feiertagsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen, indem zwecks Alibibeschaffung auch ein Abschnitt über jüdische Feiertage zu finden ist. Der Jude war uns Deutschen, aus heiligen Schuld empfinden, für einen billigen Mißbrauch schließlich noch nie zu schade. Aber diesem Autoren sind die Juden egal. Die Christen erst recht. Auch der Buddhistische Tempel von nebenan geht ihm völlig am Arsch vorbei, um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen. Zwar würde er niemals absichtlich die religiösen Gefühle eines anderen Menschen verletzen wollen, besteht allerdings darauf einer säkularen Gesellschaft anzugehören, in der der Anspruch einer Religion in den Subkulturen der Anhänger (Kirche, Synagoge, Moschee, Tempel, Wohnung, etc.) zu bleiben hat. Ausserhalb dieser Regionen muss man als empfindsamer Religionsangehöriger damit rechnen, das eben diese Empfindungen für andere nicht gelten. Denen also schnurzpiepegal sind. Er hört also nicht damit auf, kritisch über den Koran und Mohammed zu diskutieren, nur weil ein anderer dies als religiöse Kriegserklärung wertet und den arg Verletzten mimt. Das gilt auch für Moses, die Tora, Jesus und die Bibel. Schließlich ist das sein Recht, in einer demokratischen und säkularen Gesellschaft.

Aber zurück zum Feiertagsgesetz in NRW: Dort (§6 Abs.3) werden speziell zum Karfreitag alle „nichtöffentlichen Veranstaltungen außerhalb der Wohnung“ verboten, weiter wird untersagt das Filme die „nicht für Karfreitag geeignet anerkannt sind“ aufgeführt werden und das man weder eine Theatervorstellung noch eine Tanzveranstaltung veranstalten darf. Der bloße Besuch solcher, dann widerrechtlichen, Aktionen ist allerdings noch straffrei. Gottseidank Fuck you!

Hier, Du ach so säkulare und aufgeklärte und wunderhübsch mit dem Hammer gekämmte Gesellschaft, müsstest Du mal Deinen fetten Hintern vom Karrieresessel bekommen und nach Korrektur streben, anstatt ständig andere Gesellschaften für Ihre Unzulänglichkeiten zu verdammen. Letzteres fühlt sich wohl besser an, was?

In diesem Sinne: Dieser Autor.