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Olympische Depression

Die Olympischen Spiele sind vorbei. Also fast. Innerlich aber schon längst. Spätestens nach den miesepetrigen Wasserratten, die mir in den ersten Tagen einfach zu oft ratlos und erfolglos vor den Kameras standen und leidvoll feststellen mussten, dass beispielsweise ein jahrelanges abgekapseltes Training im Chinesischen Arbeitslager Trainingslager schlicht zu besseren Schwimmleistungen führt, als so ein tüddeliges wohlstandsmiefiges herumgeplantsche in Bädern der deutschen Provinz.

Oder die Turner, die es immer noch nicht glauben können, das Muskeln zwar unfassbar schön sind, aber wirklich nie, nie, nie den Hang zur dusseligen Tollpatschigkeit ausgleichen können. Da hilft einfach nichts.

Oder die deutschen Schützen, vor deren Amoklauf nun wirklich keiner Angst haben müsste. So schlecht wie die treffen, dürfte selbst ein Suizid außerhalb jeder vorstellbaren Möglichkeit liegen. Ganz zu schweigen davon, wenn sich das verflixte Ziel wieselflink bewegt. Da geht nichts. Dann kann man sich ja nur wünschen das dieses Talent vererbt wird, wenn die 45er-Wumme mal den Weg ins Ego-Shooter-Kinderzimmer findet. Wobei…vielleicht sollte man einfach mal ein paar vertrauenswürdige Zocker – Kids zur nächsten Olympia eine Knarre in die Hand drücken und viel Glück wünschen. Wäre ja mal ein Ansatz. Schlechter können die auch nicht abschließen.

Und – natürlich – ARD und ZDF: Tranig tapsige und gewohnt uncoole Moderatoren die den ganzen Tag von Aufzeichnung zu Aufzeichnung nörgeln moderieren und dabei so lässig seriös wirken, wie ein Furzkissen bei einer Bestattung lustig ist. Irgendwann ist dann keinem mehr klar, ob das gerade gezeigte wirklich mal Live war, oder doch eben nicht. Es interessiert aber auch niemanden, weil man sich sowieso nicht zu schade dafür ist, ständig über das magere Abschneiden der deutschen Athleten zu philosophieren. Als sei es eine Überraschung, dass bei einer kaum stattfindenden Sportförderung Erfolge ebenfalls kaum, äh, stattfinden.

Und dann natürlich die Drygalla. Klar, dass das ein Thema ist. Als hätte man nicht vorher gewusst, dass die Gute mit einem Fascho schmust. Und Euch kann Sie ja erzählen was sie will, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen mehrere Jahre mit jemanden zusammen zu leben und dessen rechtsextremes Gedankengut nicht mindestens in Grundzügen zu teilen. Wie soll es denn anders gehen? Das gegenteilige Empfinden davon wäre ja der natürliche Reflex Nationalsozialisten einfach nur zum kotzen zu finden. Da frühstückt man ja nicht miteinander.

„Und, Mausebärchen, heute schon Türken geklatscht? Mahnmale geschändet? Käffchen? Gerne. Danke, Blondie.“.

Apropos Nazis: Wusstet Ihr eigentlich, dass besonders drollige Anhänger dieser Zunft behaupten das NAZI keineswegs die Verkürzung des Begriffs „Nationalsozialist“ ist, sondern glatt von „National Zionist“ kommt? Un-fucking-fassbar, was? Ja, ja, strunz dämlich und gewaltbereit: Ein üble Mischung.

Aber, ich schweife ab. Lange Rede, kaum ein Sinn: Diese Olympischen Spiele hätte ich mir sparen können. Auch die UEFA EM. Der Sommer ist auch doof. Alles doof.

Ich auch. Von Euch will ich gar nicht erst reden…

Thema: Dröge Forderungen bekiffter Redakteure.

Es gibt Artikel nach deren Genuß der Leser dem Autoren gerne mal die Schreibutensilien links und rechts um die Ohren hauen möchte. Für die Ausgeburten meiner Feder gilt das ebenso. Zu mindestens Pega Ferydoni wird das zornig, nein, resigniert-kopfschüttelnd, aber lässigst entrüstet, bestätigen. Keine Panik: so ist das eben manchmal.

Heute ist halt Herr Bangel dran. Ein Zeit-Online-Redakteur. Herr Bangel findet nicht gut, das man Linksextremismus mit Rechtsextremismus gleich setzt, und führt im Weiteren aus, das Rechtsextremismus das deutlich schäbigere Verhalten voraussetzt, als eine ordinäre, für ihn vorstellbare und irgendwie auch favorisierte, linksextremistische Geisteshaltung. Und ja, er hat recht: mir ist ein Nazi auch mega unsympathisch. Mir geht allerdings auch ein anti-semitischer Linker, der am liebsten – im Repeatmodus – von der Diktatur irgendeiner Arbeiterklasse fantasiert, tüchtig auf die Eier. Und ich wette, dass den drei Leibwächtern Hanns Martin Schleyers die politische Motivation ihrer Mörder genauso egal waren, wie die kürzlich ermordeten Deutsch-Türken daran interessiert waren, aus genau welchen rassisch motivierten Gründen sie sterben mussten. Oder anders, Herr Bangel: Wenn Sie mir mein Nasenbein brechen, dann ändert eine gesalzene Erläuterung Ihrer Motivation nichts an dem Schmerz, den Sie mir zufügten.

Außerdem, Sie alte Flitzpiepe, setzt Extremismus per Definition voraus das der, der Ihn proklamiert, am äußersten Ende einer beliebigen Skala steht, was in jedem Fall Konfliktpotential erzwingt, welches sich kaum noch durch Händchenhalten lösen lässt und am Ende irgend jemanden schadet. Bestenfalls materiell.

Aus diesen Gründen ist Ihr Slogan

„Schafft das Wort Extremismus ab!“

ausgesprochener Unsinn, schon ein wenig unterirdisch, und Grund genug Ihnen einen Klaps aufs Hinterköpfchen zu geben. Mindestens. Sie hätten so viel besseres fordern können.

Rechts wie links.

Jetzt, da wir uns eine Sekunde von den ekelhaft gierigen Bankern abwenden, fällt uns der rechtsextremistische Terror in die schöne Parade. Als wäre er jemals für immer weg gewesen, oder ohne Nachsendeantrag unbekannt in die Ostgebiete verzogen. Das Gegenteil ist und war der Fall.

In diesem Zusammenhang fällt ebenfalls auf, wie ungeschickt ein informationssüchtiger Verfassungsschutz ist, wenn er eben diesen Schutz selbst untergräbt, indem er die Gegner des Schutzobjektes finanziell tatkräftigst unterstützt, um von genau diesen Opportunisten wertvolle Informationen zu erlangen. Dies allerdings immer in der jungfräulichen Hoffnung bestens informiert zu sein, täte sich Ungemach anbahnen. Ziemlich blöde Taktik. Da fragt man sich doch, wo die ganzen Experten der Stasi hin sind. Man kann schon zurecht erwarten, das die Spitzelelite da mehr Ergebnisse geliefert hätte. Die von der Gestapo sind ja schon alle tot. Wobei es da bestimmt Schnittmengen gab.

Apropos Ergebnisse: Wer jetzt denkt, dass Christian „Propofol“ Wulff vor die Menge tritt und bei einer seiner geliebten narkotischen Reden von „rechtsextremistischen Traditionen“ der supi-lieben-deutschen Gesellschaft faselt, und genau bei dieser ansatzlos – allerdings auch themenneutral – Brechreiz evoziert, der täuscht. So gesehen könnte er auch von „anti-jüdischen Traditionen“ (anstatt von „christlich-jüdischen“) sprechen, oder „anti-humanen“. Und er hätte irgendwie recht. Aber nichts da. Kein Wulff. Der ist doch nicht bescheuert.

Die Merkel meldet sich, findet das ganze planmässig nicht so doll, denkt an irgendwelche Kompasse, wie Nena an Luftballons, und hofft das nicht ausgerechnet jetzt ein Gauweiler seine Ideen von Camps für HIV-Infizierte, oder wenigstens für Piraten, oder das andere linke unwerte Gesocks, aufwärmt. „Ab in die Arbeitslager“, kann es da schnell mal heißen.

Was machen wir eigentlich, wenn wir merken, das alle Banker auch irgendwie rechtsextremistisch sind? Oder Islamistisch, oder – kaum zu glauben – grundlos linksextremistisch? Ist ja eh austauschbar. Spätestens für die Opfer. Ein islamophober-, mit arg ausgeprägter anti-semitischer Tendenz, linksrechtsextremistischer-anti-westliche-Welt-Banker. Das wärs. Wenn schon, denn schon.