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Respekt, Dietmar Ossenberg!

Auf die spitzfindige, wie gleichsam sinnlose, Frage der gelb-blonden Halb-Mensch-Halb-Kinn-Dauergrinsebacke – Michael Kolz -, ob denn nun etwas dran wäre, das Gaddafi wohl ganz bestimmt in „Sirte“ sein hitlereskes Untergangsszenario vorbereite, so wie – offenbar übel gelangweilte – Kreise der NATO laut vor sich hin fantasieren spekulieren, haust Du ein prägnantes „Keine Ahnung!“ in die Ohren des verblüfften Zuschauers. Woher sollst Du das auch wissen, Osse? Kannst ja nicht hinfahren und nachgucken. Wohl möglich würdest Du da unnötigerweise zu Tode gepointert gestrahlt werden. Kann ich verstehen.

Trotzdem, lieber Dietmar: Du holst tief Luft, faselst was von „Vermutungen“ und sabbelst Dir nach bester Korrespondenten Manier irgendwas halbwegs passendes zusammen. Null Infos, kaum Zusammenhänge, gar nichts Neues. Dabei stotterst Du noch nicht einmal.

Respekt. Kennst Du eigentlich Antonia Rados?

In dubio pro reo.

Es gibt vieles, was man alles nicht leiden kann, wenn es einen nur allzuoft und allzu unangenehm um die Ohren gepfeffert wird. Ich mag, zum Beispiel, keine Paare, welche gerade die ersten Früchte ihrer Fortpflanzungsbemühungen erleben dürfen. Ich mag weder deren behämmertes Grinsen, dass „wir sind ja so erfüllt und alles ist jetzt anders“-Gehabe, noch die aufdringliche Art und Weise mich dazu zu nötigen irgendeine Haltung zu deren Sprösslingen einnehmen zu müssen. Meist, und eventuell kennen das einige, sind die stolzesten Eltern auch gleichzeitig diejenigen, die die hässlichsten Nachkommen produzieren. Wo wir gerade dabei sind: Ich mag ebenfalls keine Insekten. In keiner Form. Ganz egal ob sie nützlich sind. Auch Spinnen finde ich unsagbar ekelhaft. Deshalb werde ich niemals ausserhalb der gemäßigten Klimazone Urlaub machen. Auch sind mir Menschen, die Ihre Religiosität nicht für sich behalten können, zutiefst suspekt. Überhaupt zweifele ich generell am Verstand des Gegenübers, wenn mir nur lang genug unangebrachte Fröhlichkeit (Liebe und Frieden, und so!) entgegenschlägt.

Am meisten aber, stört mich die deutsche Medienlandschaft, wenn etwas stattfindet, was mit einem Satz von Anne Will nicht zu erläutern ist. Der olle Schwerenöter Kachelmann und das Drama seiner Verhandlung, beispielsweise. Nach mehr als 40 Verhandlungstagen hat alles Schaden genommen, was nicht bei drei zurück in die Höhle war. Nehmen wir Frau Schwarzer. Sie saß heute, in der gewohnt jovialen Stimmung, in einer Talkrunde der ARD, und gibt darin zum besten, was immer sie glaubt bestens geben zu müssen. Mittendrin schwadronierte sie, das sie „eine journalistische Aufgabe während der Verhandlung“ inne hatte. Was immer Frau Schwarzer zu glauben meint: Sie irrt. Ihre „journalistische Aufgabe“ ist bereits mit der Wahl des Mediums – der Bild-Zeitung – gescheitert, spätestens aber dann, als sie Partei ergriff und eben jene journalistische Objektivität verließ, um irgendwas anderes zu machen. Was auch immer das war, angesiedelt zwischen boulevardeskem Meinungsschüren und Ihrer natürlichen Intention einigermaßen gradlinig für eine ausgewogene Rolle der Frau in dieser Gesellschaft zu kämpfen. Alles also, aber eben nicht Journalistik. Inmitten der Sendung sitzt eine rüstige Ingrid Steeger, deren leise vorgetragene Geschichte wirklich eine Geschichte ist, und es verdient hätte in einen passenden Kontext würdevoll aufgearbeitet zu werden, solange es im gegenseitigen Sinn ist. Passt aber nicht. Man braucht gerade jemanden der zum Thema „Vergewaltigung“ ein „kenne ich!“ in die Kamera nicken kann. Das wirkt so herrlich ausgewogen. Interessieren tut es in der Tat keinen. Viel zu viele Facetten. Kümmern wir uns lieber um den geilen Promi und um die olle Feministin.

Es bleibt nichts erspart. Das dümmliche Gerede der Medien, auch von renommierten Häusern wie der Zeit, von Freisprüchen irgendwelcher Güte, erster oder zweiter Klasse, das aggressive Vernachlässigen der Tatsache, das es diesen Unterschied in der Juristik schlichtweg nicht mehr gibt, es aber trotzdem besser wirkt, wenn man noch irgendwas irgendwie drauf setzen kann. Ähnlich wie bei Fukoshima, als man lechzend die nächste Explosion herbeisehnte, sich die nächste Handykameraaufnahme der Flut erkaufte, nur damit es noch nicht zu früh vorbei ist. Das gierige Schielen auf Verkaufs- und Einschaltquoten, das entsetzlich rücksichtslose Heischen nach Aufmerksamkeit, die Inkaufnahme des allergrößten Schwachsinns ist wiedereinmal das Resultat einer Titelgeschichte, die – wie nur allzu oft – mit dem Kern nichts gemein hat.

Hat es denn wirklich jemanden interessiert, ob Herr Kachelmann jemanden vergewaltigt hat? Oder war es nicht viel interessanter, das er es hätte tun können, dass wir es ihm zutrauen, dass die schiere Länge des Verfahrens an sich schon spektakulär ist, und wenn wir es Kachelmann zutrauen, was trauen wir dann Jan Hofer zu? Ist jeder Promi jetzt geil und ein potentieller Vergewaltiger? Oder jeder Mann? Oder einfach jeder? Egal ob Frau, Mann, Katze oder Hund. Alle wollen das gleiche, mit den gleichen perversen Mitteln? Auch die Katholiken? Die Welt ist schlecht, und die Medien brauchen und begehren das.

Ebbt der nahe Wahnsinn ab, sterben hierzulande weniger an ein Darmbakterium, ist irgendein Promi gerade nicht im Knast oder tot, oder beides, dann bastelt man bereits am nächsten Schockeffekt. Als fiele es nicht auf, dass Hungerkrisen und afrikanische Nahkriegsumstände sich immer dann in den Vordergrund schummeln, wenn nichts mehr anderes bleibt. Glücklicherweise müssen wir nicht mehr oft nach Somalia oder Haiti blicken: Lybien und Griechenland sind ja derzeit dauerspektakulär. Es scheint manchmal beinahe bemitleidenswert, das unsere Medien mit der bundesrepublikanischen Wirklichkeit umgehen müssen. Hier ist eben nichts los. Alle paar Jahre passiert mal was. Zwischendurch muss man aus wenig viel machen, und den Rest füllt man mit Nachrichten aus dem Ausland die, wären Sie nicht mit einem Bodycount oder sonstigen reißerischen – der Panikmache zuträglichen – Effekten bestückt, keinen wirklich interessieren würden.

Ich mag unsere Medienkultur nicht. Auch den Kachelmann nicht, mochte ihn, mit seinen Fusselbart, noch nie.

Erdbeereis hingegen finde ich großartig.

Burn-Out, N24?

Du warst ja noch nie das Nachrichten- und Dokumentationepizentrum Deutschlands. Das wolltest Du offenbar auch nicht. Schnelle News sind Dein Ding, wieder und wieder angesagt, aber wenn das Thema gerade irgendwie spektakulär ist, dann weitest Du es auch gerne mal solange aus, bis selbst Deinen Journalisten Moderatoren der Zweifel, ob der eigenen Berufswahl, als Schamersatz in das schlecht geschminkte Gesicht schießt. Besonders mitleiderregend ist Deine derzeitge Air-Berlin-Webung während der Wetteransage. Nicht nur das Sie völlig unpassend und plump ist, nein, Sie ist auch irrwitzig aufdringlich. Als würde ein geschmackloser Stalker Werbung entwerfen.

Gerne bereicherst Du unseren Fernsehabend mit Sendungen wie „Das Hitler-Tonband“, in welcher Du Dich, ohne weiterführenden Sinn, darüber ergötzt das Hitler ja auch gesprochen haben musste, und nicht etwa den ganzen Tag schreiend herumlief. Und das gibt es nun hörbar, als Beweis, auf ein eben solches Tonband. Ein paar gesprochene Sätze des Fieslings. Wahnsinn. Ihr Teufelskerle. Weitere Dokus folgen: So ist auch der ehemalige Atlantikwall, Deiner Meinung nach, als „Hitlers Atlantikwall“ sehr viel interessanter. Und eine Doku über Eva Braun wird erst dann irgendwie liebevoll-pevers wenn man sie „Eva Braun – Verliebt in den Führer“ nennt. Wenn Guido Knopp das hört. Der flippt aus. Ausflippen könnte dieser Autor auch, denn jede Deiner blöden zeitverschwendenen Dokumentationen hat lediglich Stoff für circa 15 Minuten, daraus macht Ihr aber locker 55 Minuten. Machnmal auch 90 bestrafende Zeiteinheiten. Wer besorgt Dir eigentlich den ganzen Müll?

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