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Und jetzt Sie schon wieder, Dirk Niebel.

Kaum ist Ihr Teppich-Skandal verjährt, da zeigen Sie uns, was Sie noch alles auf den Kasten haben. So schrieben Sie – oder einer Ihrer FDP-Schergen, die vor knapp vier Jahren das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung quasi komplett umbesetzt haben – jüngst einen Brief an die Organisation „Fian“, dass jetzt langsam auch mal gut sei mit diesen unsäglichen Menschenrechtsallüren und fiesesten moralischen Drangsalierungen altruistisch agierender Plantagenbetreiber in Uganda.

Schließlich gelte es jetzt Unternehmerinteressen zu schützen. Wäre ja noch schöner, wenn es immer nur um würdige Arbeits- und Lebensbedingungen gehe. Schon gar nicht auf den Kaffeeplantagen. Demnächst kommt jemand und will unbegründet brontal kommunistische Urlaubsansprüche auf den Baumwollfeldern in China durchsetzen? Oder die feinst bezahlten Angestellten der Textilindustrie in Bangladesch kommen auf ähnliche krude Ideen? Was dann? Wer schützt dann die deutschen Interessen?

Wer wenn nicht Sie?

Dirk Niebel

Dirk Niebel freut sich. Immer.

Winter, Fremdenfeinde, Feuer & Karneval.

Es gibt derzeit herzlich wenig, worüber man sich köstlich aufregen könnte. Zum einen, weil man sich schon zu lange über das immer gleiche erbricht, und der Reiz mehr eine Flatline, als denn ein Peak, ist und zum anderen, weil es neuerdings furchtbar kalt ist. In der Kälte regt man sich nicht gerne auf. Und in der kuscheligen Wärme des eigenen Heims, oder des kaffeetriefenden Büros, ist man einfach zu glücklich darüber, sein Gesäß von erquicklicher 28 Grad warmer Umgebungsluft, feinst umschmeicheln zu lassen.

Eben wegen dieser Kälte, neige ich dazu, den morgendlichen Versuch von Punkt B, mein Bett, zum Punkt B, das Büro, zu kommen, frustriert abzubrechen und mich in die Obhut eines Taxifahrers, seltener; einer Taxifahrerin, zu begeben. Da ich eigentlich kein Freund der morgendlichen Kommunikation bin, und ich dies auch anderen gerne gönne, bin ich ein ausgesprochen stiller Gast. Ein ruhiger Geselle, der es zu schätzen weiß, das auch andere ruhig sind.

Nicht so letztens, als dieser Herr Fahrer sich bemühte, mich über seine zum Himmel stinkende Fremdenfeindlichkeit aufzuklären. Nach ihm gäbe es in Deutschland einfach viel zu viele, die seiner Meinung nach, unmöglich deutsch sein können. Was schlichtweg eine Katastrophe sei. Alleine wegen den ganzen Arbeitsplätzen. Und: All diese Kopftücher, das schlechte Benehmen und überhaupt. Auf seinen Nachnamen angesprochen, der witzigerweise auf „czik“ endete, und auf meine Bemerkung hin, das wenn nicht er selbst, aber doch irgendwer seiner Ahnen ebenfalls zugewandert seien – zumindestens unter peinlichen Verdacht stünden, dies unerklärlicherweise getan zu haben – bekam ich meine Ruhe. Der Ekel blieb. Beiderseits.

Ekel schleicht sich auch an, wenn ich morgens nicht mein Kaffee von Kamps bekomme, sondern im hiesigen Bahnhof das Kaffeeimitat des Konkurrenten trinken muss. Der Sucht ist dennoch befriedigt, allerdings fehlt mir der tägliche 23- Sekunden-Flirt mit der flotten Kamps-Angestellten, die mich stets mit einer Mischung aus Aggression, Argwohn und freundlicher Dienstleistung empfängt. Wie sich nun herausstellte ist sie wohl eine erbärmlich feige, und bemerkenswert illoyale, Nuß: Denn kaum geht der Bahnhoffeuerlarm los, begleitet von viel Tam-Tam und einer Hundertschaft Brandbekämpfer – auf der verzweifelten Suche nach eben diesen Feuer -, macht Sie Ihren Laden zu und lässt mich stehen. Irgendwie fühlt sich ein Morgen ohne Kaffee, und ohne dieses geheuchelte agrressiv-freundliche Geflirte an, wie eine lange Busfahrt voller alkoholisierter mitfünfziger Frauen zu Weiberfastnacht. Echt ätzend.

Freue mich übrigens, wie Bolle, auf Karneval.

Heyda, Ihr Outfit-Freaks.

Der Vormittag, beim Autoren, splittet sich in eine Phase vor dem ersten Kaffee, und in einer Phase nach dem ersten Kaffee. Vornehmlich in der ersten Phase ist dieser Autor besonders kritisch in der Beurteilung seiner Mitmenschen. Und dabei genauso Locker, wenn es um seine eigene, teils desolate, Verfassung geht. Dabei geht es auch mit dem Teufel zu, denn just in dieser Zeit laufen dem Autoren genau die Leute über die Füße, deren Existenz er normalerweise verdrängen würde. Oder: Die er sich wünschte zu verdrängen, deren Bilder aber immer wieder, wie ein Vietnam-Flashback bei Veteranen, hochkommen und dabei arg zu nerven wissen. Unter eben diesen Menschen finden sich häufig Frauen, wahrscheinlich unter Drogeneinfluß, welche meinen, daß es unglaublich gut aussehen würde, wenn man die Deichmann-Stiefel über die Jeans-Hose tragen würde, anstatt darunter. Unfassbar oft haben genau diese Damen auch eine extrem enge Jeans am Leib, sodass der üppige Hintern lächerlich gut zur Geltung kommt. Wobei man oft genug meint, das die Üppigkeit stufenlos in Adipositas übergeht. Frauen ohne diese fulminante Ausstattung, aber mit dem üblen Hang zur Zero-Size, besitzen aus weiser Voraussicht erst gar kein Gesäß. Das arschlose etwas ist meist auch doll überschminkt, aber nicht auf diese witzige Clown-Art, mehr so in Richtung Prostituierte. Die von der billigen und uncoolen Art.

Oft schleichen dem Autoren auch jene Herren in spe um die Füße, welche eine feinst gestylte und penibel zu einer bestimmten Seite gekämmten Frisur tragen, als hätten Sie nach dem Aufstehen einen heftigen elterlichen Klaps in eben jene Richtung vertragen müssen. Wenn diese Kerlchen dann auch noch ein Cappy tragen, welches lediglich sanft aufsitzt, anstatt richtig zu sitzen, ist das Bild nahezu perfekt. Oftmals sitzt die Hose auch nur rudimentär. Was vor dem ersten Kaffee missbilligend zur Kenntnis genommen wird.

Eingerahmt wird das ganze chaotische Bild von Mädchen, welche es unglaublich cool finden, in Leggings, T-Shirt und Gürtel herumlaufen zu müssen. Eine Mode-Unverschämtheit, die dieser Autor den Achtzigern anlastet. Und auf das schärfste verurteilt. Sowie das verkorkste erste Mal. Oder die peinliche Klassenfahrt, die im Desaster endete….doch das ist eine andere Geschichte.