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Wir waren alle, ohne Ausnahme, nackig.

Ich rege mich ja schon lange nicht mehr auf. Nicht über diesen desinteressierten und humorlosen Lanz. Nicht über Moderatoren die sich ins Hochwasser stellen um den Zuschauer eine Nähe zur Katastrophe zu suggerieren, daraus dann eine Art Wettbewerb machen und fortan jede Fernsehanstalt sich darin übertrifft ihren Moderationsroboter immer ein wenig tiefer ins Wasser zu stellen. Ich rege mich auch nicht mehr über diese Leute auf, die seit jeher die aberwitzigsten Verschwörungstheorien spinnen und bei einer ernsthaften Prüfung ihrer Argumente ständig den Bornierten in sich entdecken. Auch rege mich mich nicht mehr über diese Facebook-Nutzer auf, die alles ständig liken und supi finden, ihr obergäriges Mitgefühl in die digitale Welt seiern und lieber nicht mehr hinterfragen was tatsächlich Fakt sein könnte. Auch über diese Social-Media-Experten und SEO-Gelehrten, über die rege ich mich ganz bestimmt nicht mehr auf. Leute, die Grundschularithmetiken für reines Spezialistenwissen halten, lassen mich neuerdings ebenfalls absolut kalt.

Wobei, so richtig stimmt das ja nicht. Anstelle der Aufregung ist lediglich ein leises Würgen gepaart mit Wutkaltschweiss getreten. Sozusagen die letzten verzweifelten Regungen des Körpers um eine Eskalation zu vermeiden. Lange hält so eine Zurückhaltung ja nicht vor. Ich sollte mal wieder Janine anrufen….

Was sagt eigentlich Twitter dazu?

Kaum eine Nachrichtensendung kann bei vermeintlich wichtigen Themen auf den sozial-medialen Trend verzichten. Eigene Redakteure, teilweise mit dem Esprit von ungesalzenen Tomatensaft und mit dem Charme einer fruchtigen Erdbeere ausgestattet, werden dazu vor überdimensionierte Touchscreens gezerrt und dürfen uns mit Tweets und Facebook-Mitteilung behelligen, die wir ansonsten zurecht verpasst hätten. N24 bietet dazu Antje Lorenz auf, die immer etwas nervös herum eiert, eine viel zu zappelige Grundeinstellung hat, aber ansonsten hervorragend aus dem Netz rezitieren kann. Das ZDF präsentiert uns aus gleicher boshafter Absicht Jeannine Michaelsen, die zwar weit weniger zappelig und nervös herum lamentiert, aber letztendlich auch nur das wiedergibt, was sich irgendwelche Menschen beispielsweise über Twitter zu sagen haben.

Wo wir beim Thema sind. Über was wird da getwittert? „Ich bin wach #gutenmorgen“, beispielsweise, oder „Hammer LOL, alter! @MarkusLanz“. Kurz gesagt, es wird über absolute Nichtigkeiten getwittert, geliked und mitgeteilt, dass es nur so blinkt, piept und dampft. Dabei werden mühselig erworbene soziale Kommunikationsfertigkeiten aufgegeben. Die soziale Interaktion wird auf eine Mitteilung, auf 140 Zeichen, auf einen Klick, reduziert und am Ende bleibt die Essenz dessen, was schon immer zwischen Hypothalamus und Großhirnrinde herum stank: Der Gedankenfurz.

Viele Gedankenfürze kommen dann zusammen, wenn viele Menschen über ähnliches nachdenken. Nehmen wir die neuerliche Wahl Barack Obamas zum Presidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Selbstverständlich fragt sich N24, wie viele Tweets über den Äta gehen, um daran einen Trend, mit zweifelhaftem Aussagegehalt, zu erkennen. Der Kurzschluß: Wenn viele Banalitäten zum gleichen Thema austauschen, dann muss das Thema wichtig sein, und wenn es vielen wichtig ist, müssen wir über die offenkundige allgemeine Interessenlage berichten, damit uns möglichst viele dabei beobachten. Dabei wird schlichtweg ignoriert das es Millionen von Tweets mit dem Hashtag „#Obama“ gibt, deren Inhalte Kackwürste und sonstige, mehr oder weniger ekelhafte, Banalitäten ausmachen. Ich weiß es, denn ich schrub selbst einen: „Mächtige Kackwurst abgelegt! Wer hat nun gewonnen? #Obama2012“.

Dabei benötigt man keine Trendanalyse sogenannter Social-Media-Experten. Jeder von uns hätte mit Sicherheit bestätigt, von dieser amerikanischen Wahl, oder von diesen Felix Baumgartner, oder von den letzten „Wetten dass…?“-Sendung, wenigstens gehört zu haben. Welche Meinung dazu mein Nachbar hat interessiert mich nicht. Wenn doch, würde ich nachfragen. Nicht so die Nachrichtenredaktion von heute. Warum echte Inhalte recherchieren, den Kern mühselig herausarbeiten, wenn man Tiefe auch mit Twittertrends und Sociamedia-Analysen auf das vortrefflichste vortäuschen kann? So tritt das gemeinschaftliche inhaltsleere Zwitschern im Internet gleichberechtigt neben den eigentlichen Sinn: Der Nachricht. Die geistige Flatulenz eines jeden, zusammengefasst als Aussage einer imaginären Gemeinschaft, wird allmählich ebenso wichtig, wie die Nachricht selbst. Vielleicht heißt es morgen schon:

„Die Bundestagswahl ist vorbei, die Ergebnisse liegen vor, aber jetzt zur wichtigen Nachricht: Was sagt eigentlich Twitter dazu, Antje?“.

Ihr da, von N24,

seid ja selten rotzlöffige Kinder von Traurigkeit, wenn es darum geht einen möglichst belanglosen Sachverhalt, süffisant mit aufregend vielen Bekundungen à la „tja“, „siehste mal“, „hehe“, „selbst schuld“ und weiteren Ausdrücken unverhohlener Schadenfreude, zu übermitteln. Dieses mal ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dran, der sich, wohl mit aller Richtigkeit für keinen Nickel der Welt, nicht im Traum für Euren Qualitätsjournalismus umdrehen würde. Auch nicht für die von Euch gezeigten, und mit vor Freude platzender Häme kommentierten, Fotos. Viele davon waren nämlich immer schon frei zugänglich, Ihr Nasen. Kein Problem? Das stört Euch nicht? Recherche ist was für Weicheier? Es geht ja um die Sache, was!?

Empfehlung: Bildblog.de.

facebook, youtube und tv.

Neulich regte sich der durchschnittliche, von „German Angst“ befallene und dadurch entsetzlich gequälte, deutsche Journalist, und Experte aller Themen rund um das soziale Netzwerkeln im skandalösen Internet, über eine weitere Funktion bei Facebook auf. Mittendrin war unklar, ob es nun um die Funktion selbst, oder um die Tatsache geht, daß Facebook sich herausnimmt einfach so Funktionen freizuschalten. Selbstverständlich haben sich daraufhin alle Social-Media-Experten darin überschlagen, der restlichen Welt eben dieses Thema beizubringen, nur damit alle anderen auch wissen, wovor man sich eigentlich zu fürchten hat. Was natürlich kaum gelang, da Fachwissen und Social-Media-Experten niemals, aber wirklich niemals, zusammenkommen und eben das allen schon längst klar war, weshalb Ihnen auch keiner mehr so richtig zuhörte. Völlig zurecht. Schwämmlein drüber. Für die Leser dieser Zeilen: Die Funktion ist harmlos, alles halb so schlimm, und so könnt ihr sie wieder ausschalten.

Youtube, seinerseits ein Google-Firmchen, hat es aufgegeben sich mit der GEMA freundlich zu einigen. Neuerdings wird man nicht nur darauf hingewiesen warum man den einen oder anderen Clip nicht mehr sehen darf, sondern bekommt dabei auch unaufgefordert Bescheid gestossen, wer der Spielverderber ist: Die GEMA. Sony, BMG und andere Musikfabriken, haben sich dann auch noch zu Wort gemeldet, und finden es ebenfalls total Banane, das der Rechteinhaber der Verlagsrechte (GEMA), sich zu keinem, für Youtube, günstigen Preismodell beraten läßt. Besonders interessant, und das eigentlich Lustige dabei, ist: das sich jetzt die Musikindustrie echauffiert, wie unbeweglich die GEMA in den Zeiten des flotten Internets so ist. Dabei ist es doch die Musikindustrie die seit der Erfindung der MP3-Komprimierung ständig flennt, Zeter und Mordio ruft, und der schlimm herunterladenen Gesellschaft, in der Erfahrung schwindender Umsätze, garstigst entgegentritt. Verdrängung?

Die fetzige Ulknudel Thomas Gottschalk geht, und gab uns noch eine letzte, also eine fast letzte, Show. Die unser dödeliger Frank ausgesprochen lustig fand. Dennoch: Mittels eines gefühlt 15-Jährigen Abschieds, von dem was man mit etwas Alkohol auch schon mal Unterhaltung nennen könnte, wird im Herbst mit ganzen drei Shows der Endreiz aus dem ZDF-Zuschauerhirn gepresst. Dann ist er endlich weg. Der Reiz. Aber nicht unser Tommy G., der uns unverhohlen mit neuen, Langeweile verheißenden, Shows zu drohen weiß. Verdammte Axt. Wie fies.

Noch etwas in eigener Sache: Tatsächlich schicken mir ausgewählte, offenbar dem Irrsinn nahe, Verlage Rezensionsexemplare Ihrer neuen Bücher zu. Was prima ist, denn ich lese gerne. In kürze werde ich dann hier, das eine oder andere Buch vorstellen und gegebenenfalls wärmstens empfehlen. Bis dahin:

Wer ist eigentlich dieser „Dr. Kawashima“?