Getagged: Deutschland

Der Tag der Deutschen Einheit…

…ist mit völlig Latte. Und überhaupt, es können auch nur unlustige deutsche Bröselbirnen den nationalen Feiertag im Oktober verorten, wo doch jeder weiß, dass sich sommerliche Temperaturen viel mehr dazu eignen Festivitäten jedweder Art zu zelebrieren. Aber der Deutsche ist nun mal, unter den Völkern dieser Welt, eher der chronisch depressive Patient; mit boshaften Tendenzen. So nörgelt der Deutsche dauernd an Dingen herum, die er nicht ändern kann, oder die für andere einfach zu banal sind, um sich damit überhaupt zu beschäftigen.


Angst vor bewegter Luft

Das Wetter, zum Beispiel, ist dem Deutschen ständig zu falsch. Entweder ist es zu warm, zu drückend oder zu regnerisch, oft auch schlichtweg zu kalt. Hätten wir das Know-How, würden wir das Wetter per Gesetz beschließen und uns mit der verlässlichen Regelung der Temperaturen per Paragraphenreiterei beschäftigen.

Als erstes würden wir die bewegte Luft abschalten, denn nach Auffassung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung verursacht bewegte Luft umgehend schlimmste, wenn nicht sogar allerschlimmste, Krankheiten. Nachts hingegen, wenn die Temperatur unangenehm Kühl ist, öffnen wir die Fenster unserer Gemächer und tun so, als sei dies der Gesundheit besonders zuträglich. Nur Deutsche können auf den Gedanken kommen, dass das unmotivierte herumgelatsche durch kaltes Wasser, der Gesundheit zuträglich ist, während ein geöffnetes Fenster im Linienbus den unvermeidlichen Exitus zwingend herbeiführt.

Und nur in diesem Land habe ich davon gehört – Menschen anderer Nationalität haben mir geschworen davon niemals gehört zu haben -, dass Leute, die auf „kalte“ Steine sitzen, irgendwelche gesundheitlichen Nachteile erwarten dürfen. Eigentlich müsste man davor mal mit einem Aufklärungsspot warnen. Sehe ja ständig irgendwelche Menschen auf Treppenstufen sitzen.


Deutsche Besserwisser

Und überhaupt: Dem Motto folgend „Am deutschen Wesen, soll die Welt genesen.“ schreiben wir der Welt, besserwisserisch wie wir nun mal sind, ungefragt unsere Meinung in das beblümte Poesiealbum. Wir rümpfen die Nase, weil wir vermuten das in anderen Staaten die Religion nicht so supi toll vom Staate getrennt ist, wie in unserer feinen wertneutralen Republik.

Ignorieren dabei allerdings, das bei uns der Staat die Kirchensteuer eintreibt und wir christliche Feiertage haben, für die wir per Gesetz Tanzveranstaltungen verbieten, und damit jegliches – auf Fröhlichkeit hindeutende – Gehampel zu unterlassen haben. Und ganz unserer boshaften Tendenz folgend, mischen wir uns in die religiösen Rituale anderer ein, indem wir von heute auf morgen Beschneidungen als Körperverletzung werten und mir nichts, dir nichts, einfach unter Strafe stellen. Deutsche Effizienz feiernd haben wir uns damit gleich in zwei Weltreligionen eingemischt.


Im Gedenken

Und wo wir dabei sind: Deutsche feiern nicht. Entweder besaufen sich Deutsche nach germanischen Vorbild, laufen danach peinlich durch den hiesigen Ortskern und grölen Parolen, die wahrscheinlich aus dem Altgermanischen entlehnt wurden, und somit für alle anderen kaum verständlich sein dürften. Wenn wir also nicht sturzbesoffen, grunzend und selbsturiniert durch die Gegend stolpern, feiern wir – gesetzlich geregelt – würdevoll: Wir gedenken.

Dabei haben wir viel zu gedenken. Alles sehr traurig. Die einen gedenken an Ihre oberschliesische Heimat, die sie mit fünf Jahren verlassen mussten, aber immer noch so dringend vermissen, die anderen gedenken an „den deutschen Widerstand im Nationalsozialismus“, der eigentlich kein Widerstand gegen den Nationalsozialismus war, sondern vielmehr der Tatsache geschuldet war, dass Deutschland den totalen Krieg offensichtlich verloren hatte und man dieser Wahrheit, zwecks Erhaltung der Verhandlungsbasis, zuvor kommen wollte. Wir Gedenken an Reichskristallnächte, die uns furchtbar Leid tun, an das ganze andere Menschen verachtende Zeug.. Natürlich hat der eigene Opa, der eigene Uropa, bei einigen noch der Vater, von alledem nichts gewusst.

Wir gedenken dem Mauerfall, staatstragend, selbstverständlich ohne Freude. Auch an Goethe und Schiller gedenken wir eifrig. Wohl ohne schlechtes historisches Gewissen, aber ebenfalls peinlich würdevoll. Und jedes Jahr zu Weihnachten gedenken wir an „den Erlöser“ der später, wie sollte es anders sein, von den bösen Juden an diese fiesen Römer ausgeliefert wurde und – wenn man daran glauben möchte – allerschlimmst hingerichtet wurde. Ein paar Monate später gedenken wir der Annahme, dass eben dieser Delinquent aus dem Grab spazierte und damit eine Weltreligion initiierte, die wiederum als Vorwand diente um jahrhundertelang Betriebsausflüge nach Jerusalem zu unternehmen und den dortigen Bewohnern mal so richtig den Poppes zu versohlen.


Aber…

Trotz allem mag ich dieses Land. Ich finde es schön hier, insgesamt. Ich mag das Geregelte, mag das – auch in Großstädten spürbare – harmlose provinzielle. Ich mag den Umstand, das man sich öffentlich beschweren darf und Zustimmung erntet, wenn ein Zug 5 Minuten Verspätung hat. Ich mag diese schrulligen Deutschen, mit alle diesen Regeln, Eigenarten und Problemen. Ich mag den deutschen Humor, der – kaum wahrnehmbar – auf mikrobiologischer Ebene wirklich existiert. Ich mag all diese Typen mit herunter gezogenen Mundwinkeln, die vor sich hin nörgeln und ständig mit sich und der Welt hadern. Ich mag, dass wenn man „Adolf Hitler“ laut in einer U-Bahn sagt, alle Insaßen schuldbewusst zusammen zucken. Das wäre so ein keinem anderen Land der Erde möglich.

Stößchen. Ihr Pfeifen.

‚Ne Kippe?

„Nein danke!“, antwortet der selbstbewusste Nichtraucher. Und obwohl Frank Wisbar bereits 1959 völlig nachvollziehbar fragte „Hunde wollt Ihr ewig leben?“, hat der Gesetzgeber recht damit, wenn er die TV-Werbung in Sachen „Zigarettenkonsum“ deutschgerecht verbietet und diesen elenden wie unbelehrbaren Suchtnasen, die sich nicht von Warnhinweisen und Ermahnungen zur Vernunft bringen lassen, zur Strafe das Geld aus den vergilbten Fingern friemelt. Quid pro quo.

Der Gesetzgeber ist aber noch schlauer und – unter uns gesagt – beneidenswert weise: Er hat nämlich, im Kino, die Zigarettenwerbung verfolgt und sah die erschreckende Zukunftsvision der zugequalmten Tabakindustrie: Lustvolle, aber leider grenzdebile, Hobbyqualmer mit ungenierter Swingerattitüde horten tausende Zigarettenpackungen im Schrank und schrauben sich gemütlich und ohne einen Grund dafür zu wissen, mit 10 bis 20 tüddeligen Freunden in geselliger Runde, Packungsweise Qualitätsglimmstengel in die Lunge, dass es bereits beim passiven Zugucken Lungenkrebs geben muss. Gruselig.

Bin mal kurz vor der Tür….

Ihr da, von der FDP,

seid ja ohne meine schnöseligen Kommentare schon genug gestraft. Aber ich wäre nicht ich, wenn mir dieser Umstand nicht, salopp gesagt, scheiß egal wäre. Denn ebenso kloakenmässig egal ist Euch anscheinend auch das, was so ein Landei wie ich, als Arbeit zu definieren wagt. Zwar findet Ihr das sich „Arbeit lohnen“ soll, doch was „Arbeit“ wirklich für Euch ist, wird erst richtig klar, wenn man sieht, welchen und wievielen Plagiatoren Eurer Partei der honorige Doktortitel aberkannt wurde:

Da hätten wir Silvana, die sich dafür nicht schämte, und als Kurzschlußreaktion gleich dem Forschungsausschuß des Europaparlaments beitreten wollte, den Herrn Chatzimarkakis, der ebenfalls putzig überrascht war und daraufhin eben diesen Forschungsausschuß verlassen musste, und nun wurde Bijan Djir-Sarai, der mit dem drögen Forschungsausschuß richtigerweise nie was am Hut hatte und viel lieber in irgendwelchen „auswärtigen Ausschüssen“ des Bundestages sein Unwesen treibt, beim schuftigen Abschreiben erwischt.

Ihr könnt mir glauben, meine gelben Freunde, ich bin granatenmässig gespannt, wie sehr sich Eure Arbeit gelohnt hat, wenn wir uns nach der Landtagswahl im Mai wiedersehen.