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Beinahe, Bild.de!

Das Ihr Eure journalistische Dauerdurchfallerkrankung offenherzigst und ungestraft auslebt, sind wir ja alle schon leidvoll gewohnt. Das Ihr lügt, die Wahrheit ständig unbekümmert verzerrt, Ihr im besten Fall puren Unsinn brabbelt, das Ihr als Journalisten-Assistenen-Gehilfen die Meinungen Eurer Leser ernsthaft bilden wollt, anstatt objektiv, gerne kritisch, aber stets peinlich parteilos, zu berichten, ist zwar ziemlich unredlich und einfach nur blöd, Euch aber letztendlich nicht zu verbieten. Ihr seit wie ein Schnupfen im Winter: unschön, total unangenehm, aber nicht zu vermeiden. Man muss Euch einfach aushalten.

Neulich aber, Ihr schüchternen brontal Philanthropen, dachte ich, das Euch der ultimative und verdiente Garaus widerfährt: „Polizei reißt braunes Terror-Nest ab“, schreibt Ihr aufgeregt. Erst auf den zweiten Blick entnahm ich den eigentlichen Sinn. Zu schade. Wie ich finde.

Dann stelle ich den Sekt noch einmal zurück.

Schalom Jürgen Fliege*,

wenn Jesus ein ähnliches Auftreten, wie Du alte gebügelte Gebetspappnase, an den Tag gelegt hätte, hätten die Römer damals mit Recht zur Kreuzigung gebeten. Nicht nur das Du mit Deinem „habt Euch lieb“- und „komm‘ zur Ruhe“-Genöle, im grenzdebilen Timbre eines weltfremden Berufsschleimers, den Menschen unglaublich auf den Sack zu gehen verstehst, deshalb auch mit Absicht Deine Heiligenfratze nicht mehr im Hauptprogramm der ARD präsentiert wird, nein, Du hast Deine innere Mitte nun gefunden und sie prompt als Sitz einer neuen und denkbar unkomplizierten Gelddruckmaschine verortet. Der Trick: Du verfüllst 95 ml schnödes Trinkwasser, rufst Simsalabim und dreimal schwarzer Kater, oder rufst einfach das was Christen auch immer bei solchen Gelegenheiten verlauten lassen, anschließend haust du das Fläschchen für läppische €39,95 raus. Respekt, Du Teufelskerl Bild eines Engels.

Nebenbei bietest Du noch Reisen feil, Zeitschriften wie Bücher und unterhälst hier und Da noch eine TV-Sendung im Internet. Produktempfehlungen von der schlimmsten Sorte sind Dir ebenfalls nicht Fremd und wahrscheinlich freudigst willkommen, da Deine ganze Internetseite damit vollgepflastert ist. Zum Schluss faselst Du einem Bild-„Redakteur“ einen aufregend unpassenden, aber bestimmt gut gemeinten, Vergleich zwischen Scientologen und Juden in die ungläubigen Ohren, nur um dann mit einem selbstverständlich egozentrierten und natürlicherweise belanglosen Spruch das inhaltsleere Geschwafel Interview zu beenden.

Jürgen, Jürgen, Jürgen. Du langweiliger Diplom-Quacksalber: Sollen wir wirklich drei Nägel und zwei Holzbalken suchen?

*(Ursprünglich war hier die Buchbesprechung für „A wie Apokalypse“ angedacht. Aber der mürbe Jürgi kam mir einfach dazwischen. Morgen/Übermorgen kommt der angekündigte Artikel, inklusive der unfassbaren Möglichkeit ein Hörbuch-Exemplar zu gewinnen. Ist das was?)

Übergeschnappt, Bild.de?

Wie dieser Autor bereits vor Tagen seiner Nachbarin entgegen säuselte, als diese seine geliebte und frisch gelieferte Wochenzeitung vor seinen Augen entwenden wollte: „What the fuck?!“.

Als dieser Autor diese Schlagzeile lesen musste und das Bild der DPA dazu sah, wurde gleiches artikuliert. Plus zwei, drei andere Ausdrücke der Abscheu, des Ekels und der offenen Verwunderung darüber, daß der zauseligen Bild-Redaktion offenbar die letzten guten Ideen, oder Mitarbeiter, abhanden gekommen sein müsse. Tanzende, offenbar eine Polonaise übende, Agypter sind dort abgebildet. Bild fragt dazu, irrsinnig spitzfindig: „Feiern die Ägypter ihren Pharao aus dem Land?“. Liebe Bild, dazu ein paar Einlassungen:

Erstens, liebe Honks, hat Ägypten die Pharaonen seit tausenden Jahren hinter sich gelassen, zweitens ist Euer Versuch das gesamte Ägyptische Volk als rückständige Hinterwäldler darzustellen, die jetzt langsam mal ein Blick in Richtung „Moderne“ tätigen, mehr als offenkundig und drittens wird schon alleine durch diese Kombination Eure, ganz eigene, Art der journalistischen Perversion für jeden deutlich. Klar, Ihr bedient ein Klischee. Klar, Ihr habt eine, teils fragwürdige, Leserschaft die diese Art von „Publikation“ zu schätzen wissen, doch ganz ehrlich, habt Ihr als Teil der Mediengesellschaft nicht auch eine Aufgabe? Eine Aufgabe die sich eben nicht darin verstehen könnte möglichst laut-tönend reisserisch, massiv voreingenommen, brontal abwertend und – darin gipfelnd – schlichtweg dumm zu sein? Könnt Ihr nicht einfach Eure niedrigsten Motive unterdrücken? Versteht Ihr nicht? Anders gefragt: Muss eine „Wer wird Millionär“-Kandidatin als „Tanga-Kandidatin“ unverholen verspottet werden? Müsst Ihr, in ihren Bedeutungen und Wahrheitsgehalten zweifelhafte, Meldungen wie „Handy machen Falten!“ veröffentlichen? Und müsst Ihr aus einen Horst, einen „Knöllchen-Horst“ machen?

Die Antwort ist einfach wie banal: Nein, müsst Ihr nicht. Das Doofe wird nur sein, das Ihr nicht mehr wisst, was eigentlich im Kern guter Journalismus ist, und welche Aufgabe freier Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft hat. Von Anstand und Geschmack will ich hier gar nicht erst reden. Beides ist Euch schon immer fremd gewesen.

Sucht, nicht erst seit heute, hochmotiviert Euren Abschaltknopf: Dieser Autor.

Benötigen Sie Hilfe, „bild.de“?

Könnte man meinen, wenn man den Fehler begeht und Ihre Seite öffnet. Ihr, der Inbegriff der fiesesten Journaille, das Ekzem des deutschen Zeitungswesens, off- und online, Ihr seit einfach, auch unter lauter Artgenossen, noch der hässlichste Naktmull.

Ihr fangt schon beim einfachen Werbebanner an dafür zu sorgen, das sich der normal-gebildete Magen umdrehen möchte. Heute, beispielsweise, ist ein Teil Eurer Top-Werbung „Autos für Deutsche Deutschland“ selbstverständlich schwarz-rot-gold umrandet, was allerdings super inkonsequent ist, da hier der aufmerksame Leser eigentlich eine Kombination aus schwarz, weiß und rot erwartet. Dafür untertitelt Ihr Eure Werbung mit weiteren, und folgerichtigen, Links. Allesamt mit dem Präfix „VOLKS-„. Also „VOLKS-KAFFEEMASCHINE“, „VOLKS-RASIERER“, und so weiter. Dieser Autor, voller deutscher Inbrunst, findet das hier mindestens noch der „VOLKS-STURM“ fehlt, oder was aktuell widerliches, wie die „VOLKS-HILFE“. Zumindestens hätte man aber einen Link zur NPD erwartet. Naja. Nächstes mal.

Liest man das Ergebnis einer abgebrochenen Schulausbildung gepaart mit akuten Kreuzfeld-Jakob-Symptomen, Eure Seite, weiter, darf man folgende gewohnt-reißerischen Überschriften entziffern: „Tempo 30 bald in ganz Deutschland?“, schreibt Ihr geifernd, beinahe sabbernd, und zeigt Frau Künast, die grüne Schreckschraube, in wilder Entschlossenheit und erhobener Faust. „Hier weint Hühnerwirt Gerhart!“, lautet es weiter unten, und Ihr zeigt einen alten traurigen, aber doch irgendwie dämlichen, Menschen. Ihr Untertitelt das Ganze, wodurch klar wird das seine dulle Partnerin, durch „Bauer sucht Frau“ vermittelt, seine alten Teppiche wegschmeißen will und dies schlussendlich zu den, bereits oben erwähnten, Tränen führte. Fast überdurchschnittlich ekelhaft wird es, wenn Ihr das Bild einer Vierjährigen zeigt, darüber „erkannt?“ und darunter „Dieser süße Fratz ist jetzt ein VAMP!“ schreibt, und damit eine Verknüpfung zu heutigen „Taylor Momsen“ schaffen wollt. Der verblüffte Kenner weiß, das diese Göre heute ganz gern oft und ganz gern ein bisschen Nackt ist. Gelungen. Wirklich gelungen. Insgesamt echt Geschmacklos und alles recht sinnbefreit. Eins. Setzen.

Fast Lustig wirds, wenn man zur englischen Version Eurer Seite zappt. Der Newsticker bleibt natürlich „DEUTSCH!“, wie es sich gehört. Ansonsten wartet Ihr in gewohnt schlechtem, sprachlichen und inhaltlichen, Stil auf. „The best of bild.com!“ tönt Ihr, während ich mein Resthirn schütze möchte und etwas Stille suche.

Gönnt Euch Eure eigene Medizin in Überdosis: Dieser Autor