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Sie da, Frau Kanzlerin!

Respekt! Sie sind immer auf Zack; quasi am wabernden Puls der Zeit. Neulich fiel Ihnen Fuchsgleich auf, dass dieses hippe coole Ding, von dem alle immer sprechen, „Das Internet“, wirklich existiert und stellten prompt fest, dass wir uns hier auf absolutem „Neuland“ befinden und wir den Umgang mit dieser Übernachterfindung „erst erlernen müssen“. Weiß der Teufel was das ist, wohin es führt und wer das so alles benutzt. Nachher stellt da jemand pornographisches Material zur Verfügung oder – viel schlimmer – das Parteiprogramm ihrer Schnarchtüten-Clique. Oder Fotos. Von Ihnen.

Kaum auszudenken. Grüße aus dem Neuland.

Von Motten.

Für Motten ist es dieser Tage Abende wirklich ein wenig zu kalt. In wärmeren Tagen suchen sie das Licht, den eigenen Untergang in Kauf nehmend und allen Widrigkeiten trotzend, als hinge ihr Leben davon ab. Die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens ignorieren sie, Kraft ihrer Natur, beharrlich. So wie Insekten nun mal sind, besonders die Beflügelten unter ihnen.

Politiker sind unter Menschen das, was Motten eben für Insekten sind. Sie würden die Öffentlichkeit, das Licht, selbst dann noch aufsuchen, wenn eben diese – ebenfalls äußerst beharrlich – für den eigenen Untergang sorgt. Ähnlich einer UV-Lichtfalle mit den ähnlich heimelig-kinsternden Sound-Effekten inmitten des heiligen Vernichtungsaktes. Christian „Bin-Mir-Für-Nichts-Zu-Schade“ Wulff hat dieses insektoide Verhalten über seine gesamte politische Karriere auf das vortrefflichste ausgefüllt. Am Freitag kam er der Lichtfalle zu nahe. Randnotiz hierbei: Das Weibchen, Frau Wulff, ist noch recht frisch und könnte noch anderen Motten für eventuelle Reproduktionen zur Verfügung stehen. Ein ausgebuffter Schachzug der Natur. Herr Wulff selbst ist aber geröstete Geschichte.

Heute durfte sich deshalb Alexander Kähler vor dem Kanzleramt in Berlin seinen Allerwertesten abfrieren. Überdies musste er sich allerlei sinnbefreite Fragen von Michael Kolz und seinem vertüddelten Insektologen gefallen lassen. Machte aber anstandslos mit und gab seinerseits auswendig gelernte Korrespondenten-Floskeln zum Besten. Ob aus Trotz oder aus Berufung, man wird es niemals erfahren.

Da Phoenix seine Korrespondenten herrlichst beleuchtet, dauerte es selbstredend nicht lange, bis die hiesige Politiker-Motten-Meute bei ihm in „Reih und Glied“ anstand, um wenigstens einmal, anlässlich der Gauckschen Kandidatur für das nun entmottete Bundespräsendialamt, kostenlos in die Kamera schielen zu dürfen. Sogar Phillip „Schnarchnase“ Rösler durfte, wenngleich harsch herbei gewuncken („Nun kommen Sie!“), zum Schluß auch noch seinen exklusiven Senf in den Äther blasen. Er war dabei glücklich. Irgendwie.

So sind sie, diese Motten.

Sänk you for your trävelling!

Die Deutsche Bahn ist ja ein viel kritisiertes, unbewegliches und – eventuell folgerichtig – ein halbstaatliches Unternehmen. Ab und an hat dieser Autor das Vergnügen mit der Bahn per ICE vom schönen Ruhrgebiet aus, via Berlin, nach Potsdam zu gurken überlichtschnell zu Fahren. Bei einer mehrstündigen Fahrt, natürlich im Bistro bei Kaffee und Kuchen, schießen einen unter anderem die blödesten Ideen, die fiesesten Fragen und die peinlichsten Flashbacks in den vermaledeiten Strohkopf. Es viel u.a. auf…

  • … daß die Deutschen offenbar Fans von gammeligen Bretterbuden sind. Überall stehen diese Dinger herum. Von Dortmund, über Bielefeld, Hannover, bis Berlin. Zwischen Hannover und Berlin fährt man, u.a., auch an Stationen vorbei die man ebenfalls, gut und gerne, zu der Kategorie „Bretterbude“ zählen könnte. Nur mal nebenbei erwähnt.
  • … daß die Deutsche Bahn nicht in der Lage ist Kaffee zu brühen und stattdessen Instant-„Kaffee“ anbietet. Selbstverständlich zu einem unverschämten Preis. Da lässt man sich nicht lumpen. Wo kämen wir da auch hin?
  • … daß manche 1. Klasse Passagiere sich auch erstklassig, als Mensch wie auch vom Gemüt, fühlen und daraus kein Geheimnis machen.
  • … daß man auf die Frage „Suchen Sie Streit?“ nicht zwingendermaßen eine klare und sinnvolle Antwort erwarten darf.
  • … daß Bielefeld durchaus und mit voller Inbrunst, als „Arsch-der-Welt“ bezeichnet werden darf. Was man auch von Mitfahrern ungefragt bestätigt bekommt.
  • … daß für Hamm ebenfalls und völlig zurecht das Prädikat „Tote Hose“ gilt.
  • … daß man sofort merkt, ob die gerade mitfahrende Bahn-Crew aus Köln kommt.
  • … daß es Zugführer, oder sagen wir Schaffner, gibt die auf die Frage „Jemand zugestiegen?“ tatsächlich eine Antwort erwarten.
  • … daß es extrem schusselige Menschen gibt, die nicht wissen wie die Toiletten-Türen zu öffnen sind. Noch extremer sind allerdings jene obskuren Herrschaften, welche am Schließmechanismus verzweifeln. Manchmal hilft da auch kein erstklassiges Gehabe.
  • … daß „Danke“, „Bitte“, „Einen schönen Tag noch“ und „Ebenfalls“ offenbar keine Floskeln mehr sind, die einwandfrei retourniert werden können.

Zu Guter letzt: Niemand, wirklich niemand, auch nicht die hoffnungsloseste Arschgeige, weder auf der Hin-, noch auf der Rückfahrt, hat den Satz „Sänk you for your trävelling“ im deutschesten Englisch der Welt von sich gegeben. Was dieser Autor mehr als schade findet.