$#!% Dich, Bambi!

Wenn sich die deutsche Medienlandschaft zum erzwungenen Galaabend trifft, dabei ein goldenes Reh mit dem Namen Bambi vor sich her trägt und dazu so dämlich grinst als sei man gerade erst Niedergekommen und habe deshalb diesen glänzenden interspezies Bastard im Arm, dann ist wieder BAMBI-Zeit in der ARD. Diese zum Kotzen putzige Romanfigur von Felix Salten hat nicht nur Walt Disney zum schnulzigsten Film der Geschichte verführt, sondern auch Karl Fritz bei der Namensgebung der, meiner Ansicht nacht, sinnlosesten Auszeichnung Deutschlands maßgeblich unterstützt.

Aus Neid nachahmen

Was wir deutschen gerne hätten, und anderen furchtbar neiden, ist: Prominenz. Während andere Nationen auf Hollywood, BBC-Stars oder wenigstens Bollywood zurückgreifen können, müssen wir uns mit dem provinziellen Tatort, der lahmen und ranzigen Wanderhure und den Proletenbullen Toto & Harry zufrieden geben. Dabei gehen wir hyperinflationär mit dem Prädikat „Promi“ um. Promi-Diner, Promi-Kochen, Promi-News, Promi hier, Promi da. Als sei alles das, was nur oft genug sein Bratpfannengesicht in die Kamera gehalten bekommt, auch gleichzeitig prominent, erheben wir tüddelige Provinznasen, mit dem IQ eines Softeises, in den prominenten Adelsstand.

So sehen dann leider auch die, künstlerisch bestimmt sensationell wertvollen, Film- und Fernseh-Produktionen in Deutschland aus: Sie sind scheiße. Öde. Langweilig. Oft sind sie belehrend. Erheben den mahnenden Zeigefinger. Sie sind politisch. Mit Herz, aber leider ohne Tom Hanks und Julia Roberts. Und was sind sie nie: Gut. Echte knaller. Episch. Und wenn der deutsche Film aus Versehen amerikanischen Actionvorgaben nacheifert, dass auch noch fast gut macht, dann spielt ausgerechnet Til Schweiger die Hauptrolle und tötet mit seiner nervigen Stimme jede Illusion.

Wir können es nicht

Die Wahrheit ist: Wir können es nicht. Unsere schrumpfende Gesellschaft bring einfach nicht genug gute Leute hervor. Erzeugt nicht genug gute Ideen. Und unsere berühmte panikhafte Angst vor schnellen Entscheidungen und wagemutigen Ideen, kurz: unser unternehmerischer Pessimismus hemmt jegliche Kreativität und erstickt den Mut etwas Neues einfach mal zu versuchen. Egal was andere sagen. Handeln aus Instinkt; mit dem bewußt akzeptierten Risiko gelegentlich kräftig daneben zu liegen.

So sehen dann auch unsere Preisverleihungen aus. Der Bambi wird von Celine Dion anmoderiert, weil niemand einen Lanz oder einen Pflaume zu früh auf der Bühne sehen will. Außerdem erhält das kanadische Halswunder den dritten Bambi ihrer Karriere, dafür kann Sie schließlich mal was tun. Die ganze Veranstaltung gleicht einer Betriebsfeier einer nicht geraden erfolgreichen Firma. Müde, kaum witzige, Moderationen, teilweise üble Filme von welchen man zurecht niemals hörte, ein langatmiges Programm und nicht einen Funken Gespür dafür, was eigentlich Unterhaltung sein sollte.

Lediglich 2,61 Millionen von uns haben zugesehen. Der eine weil er es wollte, und sich nun dafür zu unrecht bestraft fühlt, der andere weil er ahnte, dass diese Gala eine vortreffliche Gelegenheit bietet einen kurzen Gedanken über das prinzipielle Unterhaltungsdefizit der deutschen Medien zu nieder zu schreiben.

Es täte gut, wenn die Fernseh- und Filmemacher nicht jede Gelegenheit nutzen würden um sich selbst zu feiern, sondern einfach ihr Gewerbe nachgingen. Es wäre schön, wenn solche Preisverleihungen den Zuschauer Unterhalten würden, anstatt ihn zu Tode zu langweilen, oder uns alle ständig mit dem Ungück dieser Welt zu belästigen. Unpassende Betroffenheit zu heucheln und gleiches penetrant einzufordern. Für diese knapp drei, sinnlos vergeudeten, Stunden meines Lebens ein sattes und ehrlich gemeintes:

Fick Dich, Bambi!

Feedback - Lass es einfach raus...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s