Winter, Fremdenfeinde, Feuer & Karneval.

Es gibt derzeit herzlich wenig, worüber man sich köstlich aufregen könnte. Zum einen, weil man sich schon zu lange über das immer gleiche erbricht, und der Reiz mehr eine Flatline, als denn ein Peak, ist und zum anderen, weil es neuerdings furchtbar kalt ist. In der Kälte regt man sich nicht gerne auf. Und in der kuscheligen Wärme des eigenen Heims, oder des kaffeetriefenden Büros, ist man einfach zu glücklich darüber, sein Gesäß von erquicklicher 28 Grad warmer Umgebungsluft, feinst umschmeicheln zu lassen.

Eben wegen dieser Kälte, neige ich dazu, den morgendlichen Versuch von Punkt B, mein Bett, zum Punkt B, das Büro, zu kommen, frustriert abzubrechen und mich in die Obhut eines Taxifahrers, seltener; einer Taxifahrerin, zu begeben. Da ich eigentlich kein Freund der morgendlichen Kommunikation bin, und ich dies auch anderen gerne gönne, bin ich ein ausgesprochen stiller Gast. Ein ruhiger Geselle, der es zu schätzen weiß, das auch andere ruhig sind.

Nicht so letztens, als dieser Herr Fahrer sich bemühte, mich über seine zum Himmel stinkende Fremdenfeindlichkeit aufzuklären. Nach ihm gäbe es in Deutschland einfach viel zu viele, die seiner Meinung nach, unmöglich deutsch sein können. Was schlichtweg eine Katastrophe sei. Alleine wegen den ganzen Arbeitsplätzen. Und: All diese Kopftücher, das schlechte Benehmen und überhaupt. Auf seinen Nachnamen angesprochen, der witzigerweise auf „czik“ endete, und auf meine Bemerkung hin, das wenn nicht er selbst, aber doch irgendwer seiner Ahnen ebenfalls zugewandert seien – zumindestens unter peinlichen Verdacht stünden, dies unerklärlicherweise getan zu haben – bekam ich meine Ruhe. Der Ekel blieb. Beiderseits.

Ekel schleicht sich auch an, wenn ich morgens nicht mein Kaffee von Kamps bekomme, sondern im hiesigen Bahnhof das Kaffeeimitat des Konkurrenten trinken muss. Der Sucht ist dennoch befriedigt, allerdings fehlt mir der tägliche 23- Sekunden-Flirt mit der flotten Kamps-Angestellten, die mich stets mit einer Mischung aus Aggression, Argwohn und freundlicher Dienstleistung empfängt. Wie sich nun herausstellte ist sie wohl eine erbärmlich feige, und bemerkenswert illoyale, Nuß: Denn kaum geht der Bahnhoffeuerlarm los, begleitet von viel Tam-Tam und einer Hundertschaft Brandbekämpfer – auf der verzweifelten Suche nach eben diesen Feuer -, macht Sie Ihren Laden zu und lässt mich stehen. Irgendwie fühlt sich ein Morgen ohne Kaffee, und ohne dieses geheuchelte agrressiv-freundliche Geflirte an, wie eine lange Busfahrt voller alkoholisierter mitfünfziger Frauen zu Weiberfastnacht. Echt ätzend.

Freue mich übrigens, wie Bolle, auf Karneval.

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