Der Höflichkeits-Overkill!

Dieser Autor bietet neben einer eingeübten tapsig-blöden Schusseligkeit, und einer teilweise erschreckenden Dämlichkeit, noch das menschliche Feature, grundlos und floskelhaft, freundlich zu sein. So erwidert er ohne jedes Zögern auf ein „bitte, ein „danke“, auf ein „danke“, ein „bitte“, auf eine Frage ein „Ja, bitte!, oder eben „Nein, danke!“ und so weiter und so fort. Natürlich fehlt eine, der Tageszeit angemessene, Begrüßung und eine entsprechende Verabschiedung niemals. „Einen schönen Abend noch“. Das „schön“ wird ab und zu mit „wunderschön“ ausgetauscht. Je nach Laune und je nachdem der Adressat ebenfalls in der Anwendung seelenloser Floskeln bemüht war. Die Einhaltung dieser Floskeln wird ständig überwacht und schärfstens gewertet. So wird vom Autoren auf ein geheucheltes „Gesundheit“ ein „danke“ ewartet, nur damit diese Konversation mit „bitte“ folgerichtig abgeschlossen werden kann. Ein nicht beachten dieser Regeln wird mit stillem Entsetzen scharf gekontert. Übrigens wie auch das laute Niesen selbst. Man niest schließlich still und kaum merkbar. Alles andere ist ein grotesker Kontrollverlust. Jedenfalls in den Augen des Autoren dieser Zeilen.

Heute kam es zum unwahrscheinlichen Fall, daß dieser Autor auf jemanden stößt, der es mit solchen Dingen ähnlich ernst nimmt. Die gute Frau stand hinterm Tresen einer Brötchenbackwerkstatt. Folgend der Dialog:

Sie: „Guten Tag“
Autor: „Danke. Einen schönen guten Tag, auch!“
Sie: „Was hätten Sie denn gerne?“
Autor: „Ich hätte gerne zwei Brötchen“…
Sie: „Gerne!“
Autor: „…möglichst hell, bitte!“
Sie: „Gerne!“ [Tütet sorgfältig die Brötchen ein…]
Sie: „Bitte!“
Autor: „Danke!“
Sie: „Darf es sonst noch etwas sein?“
Autor: [Kurzes imitiertes Nachdenken] „Das war schon alles! Danke!“
Sie: „Bitte. Das mach dann 56 Cent.“
Autor: [Friemelt Kleingeld raus] „Gerne“….“Bitteschön!“
Sie: „Dankeschön“
Sie: „Einen schönen Abend noch!“
Autor: „Ebenfalls einen wunderschönen Abend.“
Sie: „Danke“.
Autor: „Bitte!“.

Da dieser Autor im Ruhrgebiet sein Refugium hat, ist es beinahe unnötig zu erwähnen, das mittelschweres Kopfschütteln anderer Kunden diese kurze Unterhaltung still begleitete.

Das alles erinnert diesen Autoren auch daran, wie er letztens sein Karma aufzubessern versuchte, indem er stillschweigend eine ängstliche und offensichtlich uralte Frau auf die Rolltreppe half und nach unten begleitete. Das Gefühl, die alte Dame sei nur zu höflich um den Irrtum des Autoren aufzulösen, hielt den ganzen Tag. Hartnäckigst. Doch das ist eine andere Geschichte….

2 Kommentare

  1. Erbloggtes

    Hochverehrter Herr Autor!
    Darf ich Ihnen untertänigst den Vorschlag unterbreiten, nach den regional üblichen Sonderformen formvollendeter Höflichkeit Ausschau zu halten? Verstöße gegen die gesellschaftliche Konvention werden doch häufig mit sozialer Ächtung und mittelschwerem Kopfschütteln geahndet. Sich in eine Gesellschaft einzufügen, erfordert jedoch die Einhaltung bestimmter Regeln. Und die sind in der Back Factory von Wanne-Eickel nunmal anders als im Rauchsalon von Schloss Pössritz. So gelten an beiden Orten unterschiedliche Verhaltensweisen als höflich.
    Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich Ihr sehr ergebenes Erbloggtes

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