Übergeschnappt, Bild.de?

Wie dieser Autor bereits vor Tagen seiner Nachbarin entgegen säuselte, als diese seine geliebte und frisch gelieferte Wochenzeitung vor seinen Augen entwenden wollte: „What the fuck?!“.

Als dieser Autor diese Schlagzeile lesen musste und das Bild der DPA dazu sah, wurde gleiches artikuliert. Plus zwei, drei andere Ausdrücke der Abscheu, des Ekels und der offenen Verwunderung darüber, daß der zauseligen Bild-Redaktion offenbar die letzten guten Ideen, oder Mitarbeiter, abhanden gekommen sein müsse. Tanzende, offenbar eine Polonaise übende, Agypter sind dort abgebildet. Bild fragt dazu, irrsinnig spitzfindig: „Feiern die Ägypter ihren Pharao aus dem Land?“. Liebe Bild, dazu ein paar Einlassungen:

Erstens, liebe Honks, hat Ägypten die Pharaonen seit tausenden Jahren hinter sich gelassen, zweitens ist Euer Versuch das gesamte Ägyptische Volk als rückständige Hinterwäldler darzustellen, die jetzt langsam mal ein Blick in Richtung „Moderne“ tätigen, mehr als offenkundig und drittens wird schon alleine durch diese Kombination Eure, ganz eigene, Art der journalistischen Perversion für jeden deutlich. Klar, Ihr bedient ein Klischee. Klar, Ihr habt eine, teils fragwürdige, Leserschaft die diese Art von „Publikation“ zu schätzen wissen, doch ganz ehrlich, habt Ihr als Teil der Mediengesellschaft nicht auch eine Aufgabe? Eine Aufgabe die sich eben nicht darin verstehen könnte möglichst laut-tönend reisserisch, massiv voreingenommen, brontal abwertend und – darin gipfelnd – schlichtweg dumm zu sein? Könnt Ihr nicht einfach Eure niedrigsten Motive unterdrücken? Versteht Ihr nicht? Anders gefragt: Muss eine „Wer wird Millionär“-Kandidatin als „Tanga-Kandidatin“ unverholen verspottet werden? Müsst Ihr, in ihren Bedeutungen und Wahrheitsgehalten zweifelhafte, Meldungen wie „Handy machen Falten!“ veröffentlichen? Und müsst Ihr aus einen Horst, einen „Knöllchen-Horst“ machen?

Die Antwort ist einfach wie banal: Nein, müsst Ihr nicht. Das Doofe wird nur sein, das Ihr nicht mehr wisst, was eigentlich im Kern guter Journalismus ist, und welche Aufgabe freier Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft hat. Von Anstand und Geschmack will ich hier gar nicht erst reden. Beides ist Euch schon immer fremd gewesen.

Sucht, nicht erst seit heute, hochmotiviert Euren Abschaltknopf: Dieser Autor.

3 Kommentare

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